https://www.faz.net/-gzg-9ug

Kommentar : Ratlos nach Ehec

Übeltäter: Ehec-Bakterien, rot gefärbt Bild: AFP

Die Ehec-Erkrankungen gehen zurück, die Diskussion über den Umgang mit der Krise hält aber an. Die Reaktionen auf die Meldung zum Frankfurter Erlenbach haben gezeigt, wie wenig Kenntnisse allenthalben vorhanden sind über Flusswasser, aber auch über Grundregeln der Hygiene.

          1 Min.

          Während die Erkrankungen durch den Ehec-Erreger zurückgehen, ebbt die Diskussion über den Umgang mit der Krise nicht ab. Auch die Gesundheitsminister der Länder beschäftigen sich derzeit bei ihrem Jahrestreffen in Frankfurt mit dem Thema. Die Ortswahl passt. Schließlich haben dank des Darmbakteriums nicht nur alle von der Existenz der Gemeinde Bienenbüttel in Niedersachsen erfahren, auch der hiesige Erlenbach hat nationale Berühmtheit erlangt. Mit Bienenbüttel verbindet man den Ursprung der Erkrankungen, an denen fast 50 Menschen gestorben sind. Und die Reaktionen auf die Meldung zum Erlenbach haben gezeigt, wie wenig Kenntnisse allenthalben vorhanden sind über die Qualität von Flusswasser und über Kläranlagen, aber auch über Grundregeln der Hygiene und die Produktion von Lebensmitteln.

          Da ist niemand auszunehmen, nicht die Medien, nicht die Bürger, nicht die Politik. Dass sich die Politik erzürnt zeigt über „selbst ernannte Experten“, die sich ungefragt zu Wort melden würden, ist nur ein Randaspekt. Denn diesen schenkte niemand Aufmerksamkeit, könnten alle anderen die Informationen richtig einordnen. Doch offenbar wissen viele nicht, dass ein Bach keine Trinkwasserquelle ist und dass nach einem starken Regen das Abwasser nicht vollständig über die Kanalisation und die Kläranlagen aufgenommen werden kann, sondern ein Teil – die Frankfurter Stadtentwässerung schätzt fünf Prozent – ungeklärt in die Flüsse geht.

          Bedenklich ist der Mangel an Grundkenntnissen

          Die Frage ist, was getan werden kann, damit der Verdacht auf Keime auf Lebensmitteln nicht gleich eine Welle der Hysterie auslöst. Damit nicht Schulfeste abgesagt und Kinder davon abgehalten werden müssen, Staudämme in Gewässern zu bauen. Schon gar nicht sollte ein ganzer landwirtschaftlicher Zweig in Misskredit gebracht werden, nur weil niemand darauf hinzuweisen wagt, dass Gurken oder Salat sehr wohl gegessen werden können, wenn sie richtig gewaschen sind. Der Ehec-Erreger konnte sich auch ausbreiten, weil sich Erkrankte nicht ordentlich die Hände gewaschen haben.

          Gewiss hat Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) Recht, wenn er rät, das Meldewesen zu verbessern. Doch die Kritik an der Arbeit der Gesundheitsämter trägt nicht weit, sie haben ihre Sache alles in allem gut gemacht. Bedenklich ist der Mangel an Grundkenntnissen über unsere Umwelt, Hygiene und landwirtschaftliche Produktion. Jeder prüfe sich da selbst.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Ruinerwold in Aufruhr : Polizei nimmt auch Vater der isolierten Familie fest

          Fassungslos reagieren die Einwohner des niederländischen Dorfes Ruinerwold auf die mutmaßliche Freiheitsberaubung einer ganzen Familie zu der immer mehr Details ans Licht kommen. Nun hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen verhaftet.
          Rechtsradikale Gamer: Ein Profil auf der Spieleplattform Steam

          Anschlag von Halle : Der Hass der Egoshooter

          Virtuelle Orden und Battlegrounds: Haben Computerspieler ein Problem mit Rechtsextremismus und der Verherrlichung von Attentätern? Eine Recherche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.