https://www.faz.net/-gzg-a5c

Kommentar : Preise unter Beobachtung

Viele Kunden scheuen den vergleichsweise geringen Aufwand, den Strom- oder Erdgaslieferanten zu wechseln. Auch diese Zurückhaltung trägt zu hohen Preisen bei.

          1 Min.

          Die Erhöhung von Strom- und Erdgaspreisen hat heute nicht mehr die gleiche Brisanz wie vor fünf oder zehn Jahren. Damals waren die Kunden den zumeist staatlichen Konzernen hilflos ausgeliefert, weil diese regionale Monopole hatten. 2005 führte die Heraufsetzung der Erdgaspreise in Frankfurt zu einem regelrechten Aufstand im Römer. Der damalige Mainova-Vorstand, verdattert über die andauernden Proteste, gab daraufhin sogar einen kleinen Einblick in eines seiner allergrößten Geheimnisse – wie er einkauft.

          Wenn derselbe Versorger nun, geschickt in den Sommerferien plaziert, eine Erhöhung um ein Zehntel ankündigt, wird es derlei Unruhe nicht wieder geben. Zum einen, weil der jetzige Vorstandsvorsitzende Alsheimer viel Zeit damit verbringt, Stadtverordneten die Lage seines Betriebs zu erläutern. Zum anderen, weil die Kunden ihren Lieferanten eben nicht mehr so ausgeliefert sind wie einst. Wer in Frankfurt oder im Taunus mit Erdgas heizt oder kocht, kann längst zwischen Dutzenden Anbietern wählen. Selbst wenn er der Mainova treu bleiben will, kann er sich zwischen mehreren Tarifen entscheiden und so womöglich mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

          Auch Zurückhaltung trägt zu hohen Preisen bei

          Die Deutschen haben es mit ihrer Schnäppchen-Mentalität geschafft, dass die Lebensmittelpreise so niedrig sind wie sonst nirgendwo. Auch wer ein Auto kauft, rennt von einem Händler zum anderen. Den vergleichsweise geringen Aufwand aber, den Strom- oder Erdgaslieferanten zu wechseln, scheuen die meisten, obwohl die Ersparnisse nennenswert sein können. Auch diese Zurückhaltung trägt zu hohen Preisen bei, nicht nur das Gewinnstreben der Konzerne.

          Ärgerlich ist, dass viele Mieter auf die Gaslieferung keinen Einfluss haben, weil zentral eingekauft wird. Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen haben nicht unbedingt ein Interesse an niedrigen Erdgaspreisen, weil sie diese Kosten über die Nebenkostenabrechnung an die Mieter durchreichen. Es ist aber niemand daran gehindert, von seinem Vermieter Auskunft über die Bezugsbedingungen zu verlangen. Die Preise für Strom und Erdgas sind zu hoch, als dass man die Jahresrechnungen einfach nur abheften sollte.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Weitere Themen

          Androide als Berater im Baumarkt

          Künstliche Intelligenz : Androide als Berater im Baumarkt

          In Südhessen arbeiten Wissenschaftler daran, dass Roboter alltäglich werden. Noch sind etliche Fragen zu beantworten bevor man ein Beratungsgespräch mit dem Androiden führen kann.

          Topmeldungen

          Bloß nicht zu lange aufbewahren: Hier warten Geldscheine noch auf ihren richtigen Einsatz.

          Geldanlage : So trotzen Sie den Strafzinsen Ihrer Bank

          Negativzinsen auf Bankguthaben sind in der Mitte des Volkes angekommen. Sollten auch Sie nicht wissen, was Sie mit Ihrem schönen Geld stattdessen machen sollen, beflügeln Sie vielleicht diese Anregungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.