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Kommentar : Praktisch, quadratisch, ungut

Hier soll einiges geschehen: Teil des Campus Bockenheim. Bild: Röth, Frank

Gegen die geplante Bebauung des Labsaal-Grundstücks auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt lässt sich auf den ersten Blick wenig einwenden. Bei näherem Hinsehen stellen sich aber einige Fragen.

          Ein Architekturwettbewerb auf hohem Niveau, ein weitgehend überzeugender Siegerentwurf, ein ansprechender Nutzungsmix aus Büros, Wohnungen und öffentlichen Nutzungen: gegen die geplante Bebauung des Labsaal-Grundstücks auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt lässt sich auf den ersten Blick wenig einwenden.

          Bei näherem Hinsehen ergeben sich allerdings ein paar Fragen und etliche Bedenken. Auffällig ist das ungewöhnliche Timing. Der Wettbewerb für das wichtigste Teilgrundstück ist entschieden, bevor der Bebauungsplanentwurf für den Kulturcampus den städtischen Gremien zugeleitet worden ist. Das ist aus Sicht der Grundstückseigentümer nachvollziehbar, die nach zehn Jahren führungsloser Debatten in der Sache endlich vorankommen wollen. Aber es begrenzt faktisch die Freiheit des Magistrats und der Stadtverordneten, an dem Bebauungsplanentwurf mehr als ein paar Kleinigkeiten zu ändern.

          Weiteres Ungemach kündigt sich an

          Das ist insofern bedauerlich, als der Entwurf auf dem Konsensplan für den Campus fußt. Und der taugt nichts, zumindest nicht für den mittleren Abschnitt zwischen Bockenheimer Landstraße und Universitätshauptgebäude. Er ist vielmehr eine städtebauliche Bankrotterklärung. Um einen zu weitläufig geratenen öffentlichen Platz herum werden ein paar Großblöcke gestellt. Das ist Stadtplanung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Wofür der zentrale Platz samt üppiger Grünfläche benötigt wird, ist nicht recht zu verstehen, soll doch schon der Straßenraum rund um die Bockenheimer Warte neu gestaltet werden. Dort wäre dann das natürliche Zentrum des Stadtteils. Den Rest sollte man dicht und kleinteilig bebauen, wie es sich exemplarisch in den Straßen des alten Bockenheim besichtigen lässt.

          Weiteres Ungemach kündigt sich an. Wie zu hören ist, wird der Erhalt des Philosophicums immer wahrscheinlicher. Die schwarz-grüne Koalition, die schon den Wünschen der Stadtteilinitiativen eilfertig nachkam, wird wohl auch in diesem Punkt einer kleinen Interessengruppe nachgeben. Da der Kramerbau einer neuen Nutzung zugeführt werden und auch noch hohen energetischen Standards genügen soll, wird es sich am Ende um die hässliche Karikatur eines denkmalgeschützten Gebäudes handeln. Es ist schade um die stadtplanerische Jahrhundertchance.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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