https://www.faz.net/-gzg-7hlxh

Kommentar : Praktisch, quadratisch, ungut

Hier soll einiges geschehen: Teil des Campus Bockenheim. Bild: Röth, Frank

Gegen die geplante Bebauung des Labsaal-Grundstücks auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt lässt sich auf den ersten Blick wenig einwenden. Bei näherem Hinsehen stellen sich aber einige Fragen.

          1 Min.

          Ein Architekturwettbewerb auf hohem Niveau, ein weitgehend überzeugender Siegerentwurf, ein ansprechender Nutzungsmix aus Büros, Wohnungen und öffentlichen Nutzungen: gegen die geplante Bebauung des Labsaal-Grundstücks auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt lässt sich auf den ersten Blick wenig einwenden.

          Bei näherem Hinsehen ergeben sich allerdings ein paar Fragen und etliche Bedenken. Auffällig ist das ungewöhnliche Timing. Der Wettbewerb für das wichtigste Teilgrundstück ist entschieden, bevor der Bebauungsplanentwurf für den Kulturcampus den städtischen Gremien zugeleitet worden ist. Das ist aus Sicht der Grundstückseigentümer nachvollziehbar, die nach zehn Jahren führungsloser Debatten in der Sache endlich vorankommen wollen. Aber es begrenzt faktisch die Freiheit des Magistrats und der Stadtverordneten, an dem Bebauungsplanentwurf mehr als ein paar Kleinigkeiten zu ändern.

          Weiteres Ungemach kündigt sich an

          Das ist insofern bedauerlich, als der Entwurf auf dem Konsensplan für den Campus fußt. Und der taugt nichts, zumindest nicht für den mittleren Abschnitt zwischen Bockenheimer Landstraße und Universitätshauptgebäude. Er ist vielmehr eine städtebauliche Bankrotterklärung. Um einen zu weitläufig geratenen öffentlichen Platz herum werden ein paar Großblöcke gestellt. Das ist Stadtplanung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Wofür der zentrale Platz samt üppiger Grünfläche benötigt wird, ist nicht recht zu verstehen, soll doch schon der Straßenraum rund um die Bockenheimer Warte neu gestaltet werden. Dort wäre dann das natürliche Zentrum des Stadtteils. Den Rest sollte man dicht und kleinteilig bebauen, wie es sich exemplarisch in den Straßen des alten Bockenheim besichtigen lässt.

          Weiteres Ungemach kündigt sich an. Wie zu hören ist, wird der Erhalt des Philosophicums immer wahrscheinlicher. Die schwarz-grüne Koalition, die schon den Wünschen der Stadtteilinitiativen eilfertig nachkam, wird wohl auch in diesem Punkt einer kleinen Interessengruppe nachgeben. Da der Kramerbau einer neuen Nutzung zugeführt werden und auch noch hohen energetischen Standards genügen soll, wird es sich am Ende um die hässliche Karikatur eines denkmalgeschützten Gebäudes handeln. Es ist schade um die stadtplanerische Jahrhundertchance.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Der Heilmacher

          FAZ Plus Artikel: Antiquariat aus Niederrad : Der Heilmacher

          Im Frankfurter Stadtteil Niederrad restauriert Klaus Malorny Antiquitäten, er gilt international als Meister seines Fachs. Mit der Kamera hat er ein Stück Stadtgeschichte dokumentiert.

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Störrische Mischwesen

          Kunst von Rudi Weissbeck : Störrische Mischwesen

          Der Frankfurter Künstler Rudi Weissbeck bewegt sich mit seinen Arbeiten im Randgebiet von Fotografie und Malerei. Dabei versucht er, sich von einer Arbeit zur nächsten zu widersprechen.

          Topmeldungen

          Donald Trump

          Amerika und China : Europa, lass dich nicht erpressen!

          Die Globalisierung kehrt sich um. Das Verhältnis zwischen Amerika und China wird immer schlechter. In Amerika spricht man ganz offen von einem kalten Krieg. Europa muss sich jetzt behaupten. Es hat eigene Trümpfe.

          Zusammenstöße im Libanon : Viele Verletzte bei Protesten in Beirut

          Tausende treibt die Wut auf die politische Führung des Libanon auf die Straßen. Demonstranten sollen das Außenministeriums gestürmt haben. Vermutlich fielen in der Stadt auch Schüsse. Ministerpräsident Diab schlägt vorgezogene Neuwahlen vor.
          Brachte die Münchner mit seinem Tor auf Kurs: Robert Lewandowski

          Sieg in Champions League : FC Bayern mit Wucht ins Viertelfinale

          Der deutsche Meister trumpft im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea auf und zieht in die nächste Runde ein. Beim Finalturnier in Lissabon wartet nun ein ganz schwerer Gegner.
          Das Atomkraftwerk Dukovany in der Tschechischen Republik

          Energiewende : Die Atomkraft lebt weiter

          Viele Staaten setzen nach dem Kohleausstieg auf Atomkraft, so zum Beispiel Tschechien. Die Grünen wollen das torpedieren – mit Hilfe der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.