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Kommentar : Powerstadt Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Zwiespalt: Frankfurter nehmen oft eher negative Folgen der Größe wahr, stören sich an Fluglärm und Verkehr - dabei sind dies Ausdruck des Wohlstands Bild: dapd

Die Zahl konsularischer Vertretungen sagt eine Menge aus über die Vitalität dieser Stadt. Frankfurt ist so wirtschaftsstark, dass es mit knapp 700.000 Einwohnern fast so viel Gewerbesteuern produziert wie München.

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          Die Zahl konsularischer Vertretungen in einer Metropole ist nicht der wichtigste Indikator ihrer Prosperität. Aber sie sagt eine Menge aus über die Vitalität einer Stadt. Insofern muss man die zunehmende Bedeutung Frankfurts als Magnet für haupt- und nebenamtliche Konsuln als überaus positives Zeichen für die Entwicklung dieser Stadt werten.

          Den Bürgern ist oft gar nicht bewusst, wie gut es ihnen geht als Einwohnern einer Großstadt, die ihnen so viel bietet - von den schier unerschöpflichen Möglichkeiten kultureller Inspiration bis zur Vielfalt von Gastronomie und Einkaufsoptionen. Die Frankfurter nehmen oft eher die negativen Folgeerscheinungen der Größe wahr, stören sich an Fluglärm, verstopften Straßen zu den Hauptverkehrszeiten, an Behinderungen durch Baustellen, an hohen Mieten und Armutszuwanderung. Dabei sind alle diese Phänomene nichts anderes als Ausdruck des Wohlstands: In Orten, in denen der Verkehr ruhig dahinfließt, werden nur deshalb keine Straßen verengt, weil dort nicht gebaut wird. Städte, deren Mieten fallen, üben keinen Reiz aus. Nun soll das Thema der steigenden Mieten nicht kleingeredet werden. Auch Frankfurt wird nicht ausschließlich von Wohlhabenden bevölkert. Es zählt zur Fürsorge einer Stadt, den weniger Verdienenden bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Aber auch steigende Mieten sind zunächst ein Indikator für Aufschwung, nicht für Niedergang.

          Unterentwickelter Lokalstolz

          Wer von den Vorzügen der Großstadt profitiert, möge sich an ihren Nachteilen nicht stoßen. Dass ein Großstädter mehr erdulden muss als ein Dörfler, liegt in der Natur der Sache: Organisierte Bettlerbanden fallen nicht in niederbayerischen Dörfern ein, und Demonstrationen gegen das Bankensystem werden nur dort genügend Aufmerksamkeit entfalten, wo Massen und Medien ansprechbar sind.

          Im föderalen und polyzentralen Deutschland ist es gut, wenn Großstädte miteinander konkurrieren, und wäre es nur in der etwas entlegenen Liga der Konsularstandorte. Frankfurt am Main ist schon heute so wirtschaftsstark, dass es mit weniger als 700.000 Einwohnern fast so viel Gewerbesteuern produziert wie die 1,3-Millionen-Metropole München. Wenn man auch in Sachen Konsulate den Bayern den Schneid abkaufen könnte, würde das nicht nur zum am Main unterentwickelten Lokalstolz beitragen, es würde auch die wahre Power dieser Stadt eindrucksvoll belegen.

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