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Kommentar : Posse um Eisenbahn-Reiner

Behördlich genehmigt: Der Bettler Reiner Schaad darf jetzt offiziell sein Spielzeug zeigen. Bild: Frank Röth

Der Ordnungsdezernent verliert vor lauter Vorschriften das wahre Leben aus dem Blick, und der Verkehrsdezernent darf dagegen die Rolle des Schlitzohrs spielen.

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          Es ist ein Schwank, in dem die Rollen klar verteilt sind. Dem armen Frankfurter Ordnungsdezernenten Markus Frank (CDU) fällt der undankbare Part des Paragraphenreiters zu, der sich vergaloppiert, bis er vor lauter Vorschriften das wahre Leben aus dem Blick verliert. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) darf dagegen die Rolle des Schlitzohrs spielen. Er verhilft in gewitzter Manier dem gesunden Menschenverstand zur Geltung.

          Zwischendrin steht „Eisenbahn-Reiner“, der Publikumsliebling, dem erst übel mitgespielt wird, der am Ende aber als strahlender Sieger von der Bühne geht. Inszeniert hat das Schauspiel kein Geringerer als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er erkannte das Potential der Geschichte vom Bettler, dem eine herzlose Bürokratie seine Spielzeugsammlung wegnimmt, bloß weil er keine Genehmigung zum Aufstellen hat, und der darum kämpft, sie wiederzubekommen.

          Eine öffentlichkeitswirksame Genehmigung

          Als Frank noch im irrigen Glauben lebte, es handele sich um einen gewöhnlichen Verwaltungsvorgang, es gehe nur darum, dass niemand öffentlichen Raum ungefragt besetzen, dass der Rechtsstaat niemanden bevorzugen dürfe, möge er auch so beliebt sein wie Reiner Schaad, da nutzte Feldmann schon die Gunst der Stunde. Er sorgte nicht nur dafür, dass „Eisenbahn-Reiner“ sein vom Ordnungsamt konfisziertes Spielzeug zurückbekam, er brachte auch seinen Parteifreund Oesterling ins Spiel, der nun öffentlichkeitswirksam die Genehmigung erteilte.

          Es wäre auch alles eine Nummer kleiner gegangen. Statt auf die hehren Grundsätze von Rechtsstaatlichkeit und Gleichbehandlung zu verweisen, hätte Frank frühzeitig dafür sorgen können, dass Schaad so unterstützt wird, dass er auf herkömmlichem Weg die Genehmigung bekommt. Eine Hilfe, die aber auch diejenigen hätten leisten können, die sich im Nachhinein über unmenschliches Verwaltungshandeln empörten.

          Allerdings: Dieses Stück hätte weniger Unterhaltung geboten. Aber vermutlich wäre Reiner Schaad, dem all der Medienrummel und die politischen Inszenierungen unangenehm sind, damit besser gedient gewesen.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

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