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Kommentar : Polizei auf Erfolgskurs

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich: Die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten ist zuletzt in Hessen gesunken, während die Aufklärungsquote auf Rekordniveau liegt Bild: dpa

Die Zahl der in Hessen registrierten Straftaten ist seit Jahren fast stetig zurückgegangen, und die Aufklärungsquote erreichte im vergangenen Jahr mit fast 60 Prozent Rekordniveau. Das ist eine Bestätigung für Politik und Polizei.

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          Gemessen an dem Eindruck, der sich beim Blick in die Zeitung aufdrängt, können die Zahlen, die der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) gerade vorgelegt hat, eigentlich nur geschönt sein. Die Berichte von brutalen Überfällen, Gewaltexzessen von Jugendlichen, skrupellosen Betrügereien zu Lasten alter Menschen und serienmäßig verübten Wohnungseinbrüchen scheinen die Erkenntnis Beuths, Hessen sei eines der sichersten Bundesländer, zu widerlegen.

          Doch die Daten der Statistik sind eindeutig: Die Zahl der in Hessen registrierten Straftaten ist seit Mitte der neunziger Jahre fast stetig zurückgegangen, und die Aufklärungsquote erreichte im vergangenen Jahr mit fast 60 Prozent Rekordniveau.

          Eine Menge richtig gemacht

          Das ist eine beeindruckende Bestätigung für Politik und Polizei gleichermaßen. Offensichtlich haben die Verantwortlichen in den vergangenen 20 Jahren eine Menge richtig gemacht: von der Einführung verdachtsunabhängiger Kontrollen, der sogenannten Schleierfahndung, über die Videoüberwachung von Kriminalitätsschwerpunkten, die verstärkte Präsenz der Einsatzkräfte auf den Straßen und eine vorbildliche Präventionsarbeit bis hin zur technischen Aufrüstung der Sicherheitskräfte und der immer intensiveren Spurenauswertung am Tatort unter Zuhilfenahme der DNA-Datenbank.

          Von wegen, das Böse ist immer und überall. Selten war das Risiko, in Hessen Opfer einer Straftat zu werden, so gering wie heute, und falls doch, besteht zumindest eine gute Chance, dass die Täter nicht unerkannt und ungestraft davonkommen. Die Tatsache, dass Wohnungseinbrecher bei vier von zehn Einstiegsversuchen scheitern, ist Beleg dafür, dass es sich lohnt, sein Eigentum möglichst optimal zu schützen.

          Nur jeden fünften Einbruch aufgeklärt

          Apropos Wohnungseinbruch. Das ist eines der wenigen Delikte, bei denen die Fallzahlen tendenziell weiter steigen, zudem fällt die Aufklärungsquote mit weniger als 20 Prozent unbefriedigend aus. Hier muss die Polizei künftig noch konzentrierter arbeiten, mit Beratungsangeboten zur Sicherung von Haus und Hof, aber auch mit gezielten Kontrollen und noch mehr Präsenz auf den Straßen. Ein Blick auf andere Bundesländer wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein zeigt immerhin, dass das Problem dort mindestens so groß ist wie in Hessen.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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