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Kommentar : Politisch korrekt, sportlich angemessen

  • -Aktualisiert am

Die Frankfurter Schlappe beim FC Bayern zeigt nicht zuletzt eines: dass der Meister so weit entrückt ist, dass man sich bei Spielen gegen ihn nicht an „normalen“ Gegnern oder an „normalen“ Spielzeiten orientieren kann.

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          Einige Pflichtfragen zu einer vorhersehbaren Niederlage: Hätte die Eintracht in München mehr erreichen können? Ist sie von Anfang an zu hasenfüßig aufgetreten? War es richtig, dass Trainer Armin Veh einige seiner Besten nicht mitspielen ließ, dass er bei der Komposition seiner Startaufstellung vor allem Braunschweig - Gegner am nächsten Samstag - und weniger die Bayern im Sinn hatte? Im Fall der von Gelb-Sperren bedrohten und in München nicht eingesetzten Stammspieler Rode und Zambrano ist die Antwort am leichtesten. Dass sie dem Team in München eine andere Perspektive gegeben hätten, dürften noch nicht einmal glühende Anhänger der beiden behaupten.

          Dass sie gegen Braunschweig dringender gebraucht werden, ist allerdings sicher. Eine weitere Gelbe Karte in München, und ein Einsatz wäre unmöglich gewesen - insofern war der Verzicht auf sie verständlich. Alles andere wäre naiv gewesen. Dass Veh seinen Kapitän Pirmin Schwegler in der Startaufstellung beließ, obwohl auch der von einer Sperre bedroht war, ist da schon bemerkenswerter. Denn die Reaktion auf die Vorbelastung einiger Spieler, die nachgewiesene Unverwundbarkeit der Bayern und das schwere Programm der Frankfurter im Februar hätte noch extremer ausfallen können. Veh hat noch maßgehalten.

          Keine Amateure

          Das wäre anders gewesen, wenn er Spieler wie Kempf oder Waldschmidt in die Startelf geworfen hätte. So aber kamen Profis wie Barnetta, Flum oder Joselu zum Einsatz, und wer wollte da von Wettbewerbsverzerrung oder vorauseilender Unterwürfigkeit sprechen? Das sind keine Amateure, sondern gestandene Bundesligaspieler, selbst wenn sie normalerweise nicht zur ersten Elf gehören. Auch die zweite Reihe der Eintracht ist in der Liga vorzeigbar, daran ändert die Niederlage in München nichts. Sie machte vielmehr deutlich, dass der Meister in dieser Spielzeit so weit entrückt ist, dass man sich bei Spielen gegen ihn nicht an „normalen“ Gegnern oder an „normalen“ Spielzeiten orientieren kann. Mit anderen Worten: Hätte Veh eine C-Auswahl geschickt, wäre das auch vertretbar gewesen. Nur ein Rest an politischer Korrektheit verhindert wohl, dass der große Rest in der Liga den Bayern nicht noch fatalistischer begegnet. So gesehen hat die Eintracht die richtige Balance gefunden.

          Zumal dies erst das erste von sieben Spielen im Februar war und die Frankfurter eine Lektion gelernt haben: Im Spannungsfeld zwischen Meisterschaft, nationalem Pokal und Europa League ist eine Einteilung der Kräfte unverzichtbar, wenn man sie sich leisten kann. Die Eintracht konnte es in München. Sie hat zum richtigen Zeitpunkt mit besonderen Maßnahmen auf eine besondere Situation reagiert. Das zeigt Reife, nicht Feigheit vor dem Feind.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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