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Kommentar : Poldi schlägt Empoli

Eine Initiative hat Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Rennbahn gesammelt. Zwar haben über 16.000 Leute unterzeichnet, nützen wird es gegen den Breitensport Nummer eins nicht viel.

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          Auf dem Weihnachtsmarkt sammelt eine junge Frau Unterschriften für den Erhalt der Rennbahn. Wie eine überzeugte Pferdenärrin wirkt sie nicht, eher wie eine Studentin, der das Thema im Grunde einerlei ist. Tatsächlich haben Freunde der Rennbahn an der Universität in der Job-Börse des Asta inseriert: Bis zu 30 Euro Stundenlohn erhält, wer Unterschriften sammelt. „Du bist freundlich und engagiert? Dann melde Dich gleich unter info@rennbahn-retten.de!“

          Mehr als 16.000 Unterschriften haben die Rennbahnfreunde zusammenbekommen. Das ist beachtlich. Gut möglich, dass darunter die 13.604 in Frankfurt wahlberechtigten Unterzeichner sind, die nötig sind, um einen Bürgerentscheid zu erwirken. Dass bezahlte Sammler durch die Straßen ziehen, kündet allerdings nicht von echtem Enthusiasmus. Auch die Altstadt-Freunde hatten schon mit Honorarkräften für ihr - schließlich gescheitertes - Bürgerbegehren geworben. Sie hatten von der Materie keine Ahnung, was dem Anliegen nicht genutzt hat.

          Schlechte Vorzeichen für Entscheid

          Wie auch immer die Unterschriften zusammengekommen sind, die Chancen, dass die Rennbahnfreunde bei einem möglichen Bürgerentscheid auch reüssieren, sind gering. Mehr als 113.000 Bürger müssten dann mit „Ja“ stimmen. Es wird schon schwer genug sein, so viele an die Urne zu locken. Denn mit einer allgemeinen Wahl lässt sich der Bürgerentscheid diesmal nicht koppeln.

          Die Rennbahnfreunde hoffen auf die allgemein weitverbreitete Abneigung gegen Veränderungen. Vielleicht setzen sie auch auf einen ähnlichen Effekt wie beim Tempelhofer Flugfeld, dessen Bebauung die Berliner ablehnten. Doch die beiden Fälle haben wenig gemeinsam: In Berlin wollte die Bevölkerung einer unbeliebten Stadtregierung einen Denkzettel verpassen. Zudem konnte jedermann seinen Drachen auf dem Areal steigen lassen. Der Innenraum der Rennbahn wird aber von wenigen als Golfplatz genutzt.

          Beliebtheit von Fußball wächst

          Dass sich die Frankfurter in Massen mit den Freunden der Rennbahn solidarisieren, muss daher bezweifelt werden. Zumal die Politik geschickterweise angekündigt hat, auf einem Teil der Fläche einen für alle zugänglichen Park einzurichten. Der DFB vertraut auf die immer noch wachsende Popularität, die der Breitensport Nummer eins genießt. Auch wenn der Normalbürger von der Akademie wenig haben wird, kann er mit dem Namen Poldi mehr anfangen als mit Spitzenhengst Empoli.

          Der DFB und die Stadt können sich ihrer Sache aber nicht sicher sein. Im Architekturwettbewerb legt der DFB offenkundig viel Wert auf Qualität. Den Gewinn für die Stadt sollte er noch stärker betonen. Er wäre auch gut beraten, sich gegenüber dem Stadtteil zu öffnen. Mit einem 2,20 Meter hohen Zaun rund um die Anlage klappt das nicht.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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