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Kommentar : Petra Roth prescht vor

Petra Roth hat laut über die Zukunft des alten Domizils der Oberfinanzdirektion nachgedacht. Wie es scheint, hat das Vorpreschen der Oberbürgermeisterin keinen Schaden angerichtet.

          So ist sie, die Oberbürgermeisterin. Aus einer Laune heraus hatte Petra Roth bei der Verabschiedung des Frankfurter Planungsdezernenten Edwin Schwarz die Pläne für ein ehrgeiziges städtebauliches Projekt bekanntgegeben. Sie wollte den Zuhörern im Kaisersaal offenbar nahebringen, dass Schwarz bis zuletzt groß gedacht und gehandelt hat. Und sie selbst auch.

          So etwas kann schiefgehen. Immerhin sind die Verhandlungen der beteiligten Institutionen, Ämter und Ministerien noch keineswegs abgeschlossen. Selbst Magistratskollegen, die von der Sache wissen müssten, staunten über die Ankündigung. Die hatte es nämlich in sich: Das alte, denkmalgeschützte Gebäude der Oberfinanzdirektion an der Adickesallee soll einem Neubau für die Frankfurt School of Finance weichen, und daneben soll ein neues Wohnquartier entstehen. Den alten Standort der früheren Bankakademie im Ostend will die Stadt wohl für eigene Zwecke nutzen. In Frage kommen offenbar eine Krippe, ein Kindergarten, eine gymnasiale Oberstufe und eine Erweiterung der benachbarten Volkshochschule, so genau weiß man das im Schuldezernat noch gar nicht.

          Wie es scheint, hat das Vorpreschen der Oberbürgermeisterin keinen Schaden angerichtet. Grundsätzlich ist die Idee ohnehin zu loben. Auf den zum Hessischen Rundfunk hin gelegenen Flächen ein Wohngebiet zu errichten drängt sich geradezu auf. Auch leuchtet ein, die Frankfurt School in die Nähe des Campus Westend umziehen zu lassen. Dort entstünde ein finanzwissenschaftlicher Cluster, auch wenn die Professoren des „House of Finance“ der Universität darauf sicherlich weniger Wert legen als die Emporkömmlinge aus dem Ostend, deren Promotionsrecht noch auf tönernen Füßen steht.

          Bleibt vor allem die Frage, wie das Ganze finanziert werden soll. Stadt und Frankfurt School müssen im Ostend untereinander und an der Adickesallee mit den Grundstückseigentümern, dem Land und dem Bund, ins Geschäft kommen. Die Stadt hat gleichzeitig mit dem Planungsrecht ein wirksames Instrument, auf den Wert der Grundstücke Einfluss zu nehmen. Und sie könnte auf die Idee kommen, über den eigenen Wohnungskonzern die Wertgewinne selbst abzuschöpfen. Das sind zunächst nur Unterstellungen. Aufgrund einschlägiger Erfahrungen ist aber schon jetzt darauf hinzuweisen, dass sich auch Privatinvestoren für die Flächen finden ließen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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