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Kommentar : Nur ein Vorspiel

  • -Aktualisiert am

Das Darmstädter Hochschulbad wird geschlossen - sehr zum Ärger der Badegäste. An diesem Beispiel lässt sich sehen, wie eine Krisenpolitik der Steuermittelgeschenke zu Ungemach führen kann.

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          Niemand muss ein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der Kanzler der Technischen Universität Darmstadt in den nächsten Tagen viele E-Mails bekommen wird. Die Bürger der Stadt sind, wenn es um ihre Bäder geht, schnell in kämpferischer Stimmung. Die vorübergehende Schließung des Bessunger Hallenbads führte sofort zur Gründung einer Bürgerinitiative. Und der Sanierungsplan für das denkmalgeschützte Hochschulbad, der eine Badesaison in diesem und dem nächsten Jahr nicht zulässt, dürfte für vergleichbaren Ärger sorgen. Die Kritik der Landtagsabgeordneten Karin Wolff (CDU) gibt einen Vorgeschmack darauf.

          Aber Kanzler Efinger darf sich trösten. Was die Technische Universität mit ihrem Hochschulbad erlebt, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nur das Vorspiel zu einer allgemeinen Welle des Ärgers, die als Nebenwirkungen der Konjunkturprogramme von Bund und Land zu erwarten sind. Allein über Darmstadt wird in diesem Jahr ein Füllhorn in guter zweistelliger Millionenhöhe an staatlichen Hilfen ausgeschüttet, die umgehend verausgabt werden sollen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

          Krisenpolitik hat ihren Preis

          Leider ist es mit den entsprechenden politischen Beschlüssen aber nicht getan. Das Darmstädter Hochschulbad ist ein anschauliches Beispiel dafür, welchen Aufwand eine Bauverwaltung treiben muss, um eine vergleichsweise geringe Investition von 4,7 Millionen Euro umzusetzen. Dies liegt zum Teil daran, dass in der Vergangenheit wenig zur Bauunterhaltung getan wurde. Es liegt aber auch an den üblichen, zeitaufwendigen Verfahren von der Entwurfsplanung bis hin zur öffentlichen Auftragsvergabe.

          Bei vielen anderen Sanierungsprojekten, seien es Schulen oder öffentliche Gebäude, wird es nicht anders laufen. Auch dort werden die Dinge Zeit brauchen und, wenn die Arbeiten erst einmal begonnen haben, das geordnete Leben durcheinander bringen: Schüler müssen umziehen, Badegäste werden ausgesperrt. Die Krisenpolitik von Bund und Land hat also ihren Preis. Sie wird auf kurz oder lang nicht nur jeden Steuerzahler belasten, sie verlangt den Bürgern auch Toleranz ab. Immerhin: Die Darmstädter wissen aus jüngster Erfahrung, dass sich Warten manchmal lohnt: Ihr Jugendstilbad, lange geschlossen, zeigt sich nach der Sanierung schöner denn je.

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