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Kommentar : Nicht verschlimmbessern

35 Prozent Vorvermietung vor Baubeginn - damit wäre ein Projektentwickler noch vor zwei Jahren auf der sicheren Seite gewesen. Doch was früher genügte, reicht heute in der krisengeschüttelten Immobilienbranche nicht mehr aus. Der Taunusturm hat dennoch beste Chancen, nach dem Tower 185 der nächste Zuwachs der Frankfurter Skyline zu werden.

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          35 Prozent Vorvermietung vor Baubeginn - damit wäre ein Projektentwickler noch vor zwei Jahren auf der sicheren Seite gewesen. Doch was früher genügte, reicht heute in der krisengeschüttelten Immobilienbranche nicht mehr aus. Die Vorvermietungsrate, von der der Baubeginn abhängt, ist mittlerweile für viele Projekte auf mehr als 50 Prozent angehoben worden. Andernfalls sind Kreditgeber zurzeit nur schwer zu finden.

          Der Taunusturm hat dennoch beste Chancen, nach dem Tower 185 der nächste Zuwachs der Frankfurter Skyline zu werden. Ein Hauptmieter für den 160 Meter hohen Büroturm ist offenbar gefunden. Auch wenn die unteren, weniger attraktiven Etagen zunächst leerstehen könnten, wäre Tishman Speyer schlecht beraten, den Hauptmieter auf später zu vertrösten. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

          Schon einmal ist das Hochhaus Opfer einer Krise geworden - die große Immobilienkrise brachte das Projekt 2001 ins Stocken. Die Zeichen stehen gut, dass sich dies nicht wiederholt. Zur Attraktivität des Projekts trägt auch die hervorragende Lage bei. Und die bis an die Grenze der Monotonie klare Fassade des Turms, der man eine gewisse Eleganz nicht absprechen kann, dürfte potentielle Mieter kaum abschrecken.

          Dass der Bauherr, wie zu hören ist, an der Gestaltung noch einmal etwas ändern möchte, ist Chance und Risiko zugleich. Das Gesicht des Turms könnte etwas lebendiger werden, eine Überarbeitung könnte die Form aber auch verschlimmbessern. Ganz frei ist der Bauherr in seiner Entscheidung hoffentlich nicht. Am Anfang des Projekts stand immerhin ein Wettbewerb. Der Siegerentwurf wurde dann nach der Übernahme des Projekts durch Tishman Speyer schon einmal völlig umgekrempelt. Die Stadt hat dem zugestimmt. Wenn es nun noch einmal zu einer tiefgreifenden Veränderung kommt, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Wettbewerben. Das ist keine Lappalie, immerhin prägen große Gebäude den öffentlichen Raum - und Hochhäuser mehr als andere.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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