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Kommentar : Nicht gar so zerstörerisch

Die Besucher des Love Family Parks kommen nicht an den Main nach Hanau, um spezielle Grasarten mit Schnecken und Heuschrecken zu besichtigen, die Naturschützern wertvoll erscheinen. Sie wollen sich an den elektronischen Rhythmen berauschen.

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          Es kann so einfach sein, wenn man nur will. Das gilt auch für Fälle, in denen der Naturschutz dem Flächenverbrauch durch den Menschen entgegensteht. Als es einmal um den Bau von Straßen ging, sagte der frühere Ministerpräsident Roland Koch (CDU), immer wieder begegne einem bei der Planung solcher Vorhaben dieselbe Spezies Kamm-Molche. Und wenn das so sei, könnten diese Kamm-Molche nicht so selten und schützenswert sein, wie die Naturschützer behaupteten. Also könne man sich ruhig über ihre Bedenken hinwegsetzen und die Straßen bauen.

          In den Hanauer Mainwiesen sollen keine Straßen gebaut werden, keiner will die Auwiesen zubetonieren. Nur einmal im Jahr wollen sich die Freunde elektronischer Musik dort treffen, zum Love Family Park. Doch das Regierungspräsidium hat das Festival nun untersagt - aus Rücksicht auf seltene Tier- und Pflanzenarten.

          Seit elf Jahren am Main veranstaltet

          Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) dagegen setzt sich für das Festival ein, das seit elf Jahren am Main veranstaltet wird. Seine Argumentation folgt dem Kochschen Muster und ist nicht völlig von der Hand zu weisen: Wenn es nach dieser Zeit immer noch schützenswerte Pflanzen und Tiere auf den Wiesen gibt, kann die Veranstaltung nicht gar so zerstörerisch wirken. Das Regierungspräsidium sieht es anders. Den Musikfreunden sollen die Mainwiesen versperrt werden.

          Die Festivalbesucher kommen natürlich nicht an den Main, um die speziellen Grasarten mit Schnecken und Heuschrecken zu besichtigen, die den Naturschützern wertvoll erscheinen. Sie wollen sich an den elektronischen Rhythmen berauschen und feiern. Allenfalls könnten Befürworter der Veranstaltung am traditionellen Ort argumentieren, dass die zumeist jungen Leute dabei die Mainwiesen kennenlernen. Womöglich versteht mancher Städter in der Auenlandschaft zum ersten Mal, wie schön die Natur auch im Rhein-Main-Gebiet ist.

          Doch dieser gleichsam pädagogische Ansatz wird nicht weit tragen. Die Stadt Hanau wird sich nach einem anderen Veranstaltungsort umsehen müssen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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