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Kommentar : Nicht die letzte Fusion

  • -Aktualisiert am

Die Fusion der Volksbanken Eltville und Wiesbaden hat gute Gründe. Der Volksbank Eltville fehlt es schlicht an Kunden - und zig Millionen Euro als Festgeld bei der Zentralbank zu deponieren ist angesichts stark rückläufiger Zinssätze keine Strategie für die Zukunft.

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          Das 144. Geschäftsjahr war für die Volksbank Eltville auch das letzte. Das kritische, vorwiegend politische Trommelfeuer der vergangenen beiden Wochen zeigte auf die Vertreterversammlung keine Wirkung. Die Mehrheit für eine Fusion mit Wiesbaden war überwältigend, und sie hat gute Gründe. Der Volksbank fehlt es schlicht an Kunden, die Kredite nachfragen, und zig Millionen Euro als Festgeld bei der Zentralbank zu deponieren ist angesichts stark rückläufiger Zinssätze keine Strategie für die Zukunft. Noch galt die Bank wegen ihres hohen Eigenkapitals als Schmuckstück, doch viel länger hätte sie eine Fusion wohl nicht hinausschieben dürfen.

          Der politische Charme einer vereinten Volksbank für den Rheingau hatte für die Vertreter in Eltville wenig Überzeugungskraft angesichts eines vorteilhaft ausgehandelten Fusionsvertrags mit Wiesbaden. Die Wiesbadener Volksbank stößt nun die Tür weit auf in den Rheingau-Taunus, wo sich die Bankenlandschaft nun, schneller als viele erwarten, ebenfalls verändern wird. Die beiden dort noch verbliebenen Genossenschaftsbanken, die Rheingauer Volksbank in Geisenheim und die VR Bank Untertaunus in Idstein, werden zunehmend und zügig unter Druck geraten.

          Auch die Rheingauer Volksbank wird nicht selbständig bleiben können

          Der VR Bank ist mit der anstehenden Fusion der Volksbank Main-Taunus mit Frankfurt ein möglicher Partner schon abhandengekommen. Die Rheingauer Volksbank hat jetzt einen großen und leistungsstarken Mitbewerber direkt in ihrem angestammten Geschäftsgebiet. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Zweifellos wird die Rheingauer Volksbank zunächst ihre Präsenz im Eltviller Raum verstärken und sich dort als die (einzige) Rheingauer Genossenschaftsbank profilieren wollen. Kurz- und mittelfristig mag das vielleicht sogar Erfolg zeigen. Langfristig wird auch die Rheingauer Volksbank nicht selbständig bleiben können, so sehr sich das die Bank selbst und die Kommunalpolitiker wünschen mögen.

          Schon wird aus Idstein eine Fusion mit Geisenheim angedacht. Immerhin brächte diese Rheingau-Taunus-Volksbank rund 1,2 Milliarden Euro als Bilanzsumme auf die Waagschale. Und doch wäre sie im Rhein-Main-Gebiet ein Leichtgewicht mit ungewisser Zukunft. Und dass Rheingau und Untertaunus nicht zusammenpassen, wird den Bürgern in dem so heterogenen Landkreis fast täglich vor Augen geführt. Die Fusionswelle ist noch nicht verebbt.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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