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Kommentar : Mut zum Wettbewerb

Es gibt Streitfragen, bei denen treffen die Prinzipien aus ganz unterschiedlichen Welten zusammen und machen einen Abwägungsprozeß notwendig. Zu ihnen gehört zweifellos die Diskussion um die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums.

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          Es gibt Streitfragen, bei denen treffen die Prinzipien aus ganz unterschiedlichen Welten zusammen und machen einen Abwägungsprozeß notwendig. Zu ihnen gehört zweifellos die Diskussion um die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums, die in nächster Zeit noch für einige Wellen sorgen wird.

          Im Kern geht es dabei um den alten Streit, ob Einkaufsmärkte auf der sogenannten grünen Wiese, die bei vielen Kunden beliebt sind, aber dem traditionellen Einzelhandel in den Innenstädten Konkurrenz machen, expandieren dürfen oder von der Politik begrenzt werden sollten.

          Die Prinzipien, die hier aufeinandertreffen, sind das der Planungspolitik und das der Wirtschaftspolitik. Der Planungspolitiker will dem Chaos, das er befürchtet, wenn man Veränderungen dem freien Spiel der Kräfte überläßt, eine ordnende Hand entgegensetzen. Der Wirtschaftspolitiker hingegen sieht eben darin einen Eingriff in den Wettbewerb und schätzt als effizienteren Mechanismus die unsichtbare Hand des Marktes.

          Wettbewerb

          Beide Prinzipien haben in ihrer Welt vermutlich ihre Berechtigung. Auf der einen Seite ist es gut, daß dank Planung die Häuser einer Stadt nicht kreuz und quer durcheinander gebaut werden. Auf der anderen Seite ist es auch gut, daß dank Wettbewerb Sortimente in Supermärkten nicht wie in der DDR von einer staatlichen Planungsbehörde festgelegt werden.

          Heikel wird es bei Fällen wie dem des Main-Taunus-Zentrums, das hier im Grunde für die Einzelhandelsstruktur der Region steht, bei denen sowohl Planungs- als auch Wirtschaftspolitik Deutungshoheit beanspruchen. Den Konflikt, der notwendigerweise entsteht, kann man wahrscheinlich sinnvoll nur nach dem Prinzip lösen, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Soll heißen: Die Planung kann, ja muß vermutlich in einer zusammenwachsenden Region wie dem Rhein-Main-Gebiet ortsübergreifend klären, auf welchen Flächen man Bebauung zulassen und wie man zusätzlichen Verkehr bewältigen will.

          Mit der Entscheidung, welche Form des Handels für die Kunden die beste sei, ist sie hingegen überfordert. Eine Politik, die Einkaufsmärkte ausbremsen wollte, um hergebrachte Händler zu schützen, benutzte die Regionalplanung nur als Deckmäntelchen. In Wirklichkeit wäre sie etwas ganz anderes, nämlich Wirtschaftspolitik. Und zwar eine protektionistische. Und von der ist ausdrücklich abzuraten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

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