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Kommentar : Motivation unnötig

Der Frankfurter Wohnungsmarkt ist nicht von heute auf morgen in den Griff zu bekommen. Das Instrumentarium der Stadt beeindruckend. Die Wohnungsbauförderprogramme der Stadt werden vom Markt abgerufen

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          Viel Neues haben die Frankfurter Dezernenten in ihrem wohnungspolitischen Rundumschlag nicht verraten. Die meisten Analysen und Lösungsvorschläge für die Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt, die sie vortrugen, waren schon bekannt. Doch das war auch gar nicht der Zweck ihrer Präsentation. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) und Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) wollten sich positionieren.

          Der heißgelaufene Wohnungsmarkt ist eines der drängendsten Probleme der Stadt. Die Bürgerbefragung hat vor zwei Wochen an den Tag gebracht, dass fast die Hälfte der Frankfurter mit dem Wohnungsangebot unzufrieden ist. Damit hat es das Thema in die Top 3 der größten Problemfelder gebracht. Stärker hat die Frankfurter dieses Thema zuletzt 1997 beschäftigt.

          „Problem erkannt“

          Der Wohnungsmarkt ist ein komplexes Gebilde und nicht von heute auf morgen in den Griff zu bekommen. Von einem Einblick in die wohnungspolitische Werkzeugkiste der Stadt versprachen sich Cunitz und Birkenfeld eine beruhigende Wirkung: „Problem erkannt. Wir sind dran“, lautet ihre Botschaft.

          In der Tat ist das Instrumentarium der Stadt beeindruckend. Die Wohnungsbauförderprogramme, mit denen die Stadt Bauherren Anreize bietet, werden vom Markt abgerufen. Das Bauvolumen ist derzeit rekordverdächtig hoch. Bei der Suche nach neuen Flächen im für die vielen Neubürger viel zu kleinen Stadtgebiet mangelt es auch nicht an Kreativität.

          Lieferung unterwegs

          Indem Cunitz und Birkenfeld selbstbewusst und gelassen auf ihre Erfolge verweisen, senden sie die Botschaft aus, dass sie keinen Anlass zum Aktionismus sehen. Adressat ist nicht zuletzt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er hatte die Koalition nämlich aufgefordert zu „liefern“. Immerhin hatte er im Wahlkampf mit dem Thema gepunktet und sieht sich nun erheblichen Erwartungen seiner Wähler gegenüber.

          Wir sind ohnehin schon dabei, ist der Subtext der Veranstaltung von Cunitz und Birkenfeld. Und: Wir brauchen keinen Motivationstrainer, der uns sagt, wo es langgeht. Die Lieferung muss nicht bestellt werden, sie ist schon unterwegs. Feldmann wird es nicht gern gehört haben.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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