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Kommentar : Mit Füßen getreten

Sich ostentativ auf die Seite der Eintracht zu stellen und die Sperrung des Parkplatzes als „Schnapsidee“ zu bezeichnen hat Frankfurts neuem Rathauschef besondere Freude bereitet.

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          Heribert Bruchhagen kann sich beglückwünschen, zumindest auf den ersten Blick. Nur einen Tag nachdem der Eintracht-Vorstandsvorsitzende die Stadt öffentlich für das drohende Verkehrschaos rund um das Frankfurter Stadion verantwortlich gemacht hat, machen die zuständigen Dezernenten einen Rückzieher. Der Parkplatz, dessen Wiederaufforstung schon vorbereitet wurde, steht nun doch vorerst für Heimspiele wieder zur Verfügung. König Fußball, so scheint es, hat der Politik gezeigt, wie groß seine Machtmittel sind.

          Die Umstände haben Bruchhagens Erfolg begünstigt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sieht sich im Magistrat einer schwarz-grünen Mehrheit gegenüber. Sich ostentativ auf die Seite der Eintracht zu stellen und die Sperrung des Parkplatzes als „Schnapsidee“ zu bezeichnen hat ihm besondere Freude bereitet. Dass er mit dieser Kritik an Magistratsbeschlüssen Geist und Buchstaben der Gemeindeordnung mit Füßen tritt, nimmt er in Kauf. Da Verkehrsdezernent Stefan Majer und damit ein Grüner federführend zuständig ist für die Planungen rund um die WM-Arena, lässt sich zudem leicht der Eindruck erzeugen, die Aufforstung werde aus ideologischen Gründen vorangetrieben.

          Seit vielen Jahren bekannt

          So einfach liegen die Dinge aber nicht. Die Renaturierung des Parkplatzes wurde im Rahmen des Stadionneubaus, dem größere Waldflächen weichen mussten, festgeschrieben. Das war allen Beteiligten seit vielen Jahren bekannt. Und ihnen war auch bewusst, dass sich solch ein Beschluss nicht einfach mit einer Verfügung des Magistrats aus der Welt schaffen lässt.

          Jenseits der taktischen Plänkeleien ist es gut, dass nun mit Hochdruck an einer Lösung des Parkplatzproblems gearbeitet wird. Die Verhandlungen zwischen Eintracht und Stadt werden allerdings nicht einfach werden. Denn beide Seiten sehen jeweils vor allem den anderen in der Pflicht, einen Lösungsvorschlag zu machen und die damit verbundenen Kosten zu tragen. Die Eintracht wird sich übrigens mit der schwarz-grünen Koalition einigen müssen und nicht mit Feldmann, dem Mann ohne Mehrheit. Insofern war Bruchhagens Vorstoß womöglich etwas zu forsch vorgetragen.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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