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Kommentar : Mehr Hinwendung

  • -Aktualisiert am

Die Austritte aus der katholischen wie evangelischen Kirche häufen sich - die Entfremdung wächst. Wiedereintrittsstellen können da helfen, doch es kann noch mehr getan werden.

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          Ob es nun das Versagen von Geistlichen ist oder jüngst der Ärger über den automatischen Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge - Anlässe, aus den Kirchen auszutreten, gibt es genug. Die Zahlen schnellten vor kurzem wieder in die Höhe. Zum Beispiel waren im Bistum Limburg im vergangenen Jahr 7980 Katholiken aus der Kirche ausgetreten, 3527 mehr als 2012.

          Nun ist nach der Krise um den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst der Vertrauensverlust im Bistum Limburg nicht ohne Grund besonders hoch. Aber auch andernorts sieht es nicht besser aus. Und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat im ersten Quartal 2014 deutlich mehr Austritte registriert als im Vorjahreszeitraum. Die Entfremdung zwischen Christen und ihren Kirchen wächst.

          Spagat der katholischen Kirche

          Die Wiedereintrittsstellen, wie die beiden großen Kirchen sie in Frankfurt unterhalten, können diesen Verlust nicht wettmachen. Überflüssig sind sie aber nicht, denn sie erleichtern die Kontaktaufnahme mit Ausgetretenen, ermöglichen Gespräche. Auch in Darmstadt gibt es eine solche Anlaufstelle, im ökumenisch getragenen Kirchenladen „Kirche & Co“. Er wird von einem Verein betrieben, die EKHN und das Bistum Mainz stellen je eine halbe Stelle eines hauptamtlichen Mitarbeiters zur Verfügung.

          Eines scheint besonders wichtig zu sein: den Ausgetretenen unvoreingenommen zu begegnen. Feinfühligkeit müssen besonders Vertreter der katholischen Kirche zeigen, denn sie sieht im Austritt nach wie vor eine „schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft“, vulgo: eine Sünde. Andererseits wirbt die Deutsche Bischofskonferenz dafür, Ausgetretenen mit „pastoraler Hinwendung nachzugehen“. Es ist ein für die katholische Kirche typischer Spagat zwischen Kirchenrecht und Seelsorge.

          Die Eintrittsstellen sind ein gutes Beispiel für eine „pastorale Hinwendung“ zu Ausgetretenen - zumal in Großstädten. Es kann aber noch mehr getan werden. Manfred Grothe, Apostolischer Administrator für das Bistum Limburg, hat gefordert, mit allen Ausgetretenen neu in Kontakt zu kommen. Das klingt illusorisch. Aber es ist ein klarer Auftrag.

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