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Kommentar : Mehr als nur Papier

  • -Aktualisiert am

Von gefühltem Fluglärm trauen sich im Umland des Frankfurter Flughafens selbst Verfechter des grenzenlosen Luftverkehrs nicht zu sprechen. Der Anti-Lärm-Pakt wird entgegen der großen Skepsis demnächst nicht nur Papier produzieren.

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          Lärm, so heißt es in einer Definition, ist ein Geräusch, das stört. Die subjektive Komponente soll damit zum Ausdruck kommen. Von gefühltem Fluglärm trauen sich im Umland des Frankfurter Flughafens gleichwohl selbst Verfechter des grenzenlosen Luftverkehrs nicht zu sprechen. Und falls doch: Die Einladung zu einer Gartenparty nach Raunheim bei Ostwind würde sie verstummen lassen.

          Spät, aber vielleicht nicht zu spät ist in der Region der Versuch ernsthaft betrieben worden, die immensen Belastungen, die sich durch den Ausbau des Flughafens noch verstärken werden, zu verkleinern. Der Anti-Lärm-Pakt wird entgegen der großen Skepsis, mit dem er von vielen Ausbaugegnern begleitet wurde, demnächst nicht nur Papier produzieren. Ein Jahr vor der Inbetriebnahme der neuen Landebahn werden am Himmel über Frankfurt neue Linien gezogen – möglichst höher über die ohnehin stark beschallten Gebiete oder sogar um sie herum.

          Breit angelegte „Lärmwirkungsstudie“

          Im bisher nicht nur wegen seines sperrigen Namens wenig beachteten „Forum Flughafen Frankfurt und die Region“ haben sich in den vergangenen Wochen offenbar Bürgermeister und Vertreter der Luftverkehrswirtschaft zusammengerauft. Das geschah vor allem aus der Überzeugung, nur noch auf dieser informellen Ebene werde sich zum Nutzen beider Seiten etwas bewegen lassen. Denn vom Gesetzgeber und der Exekutive ist wenig zu erwarten: Das Fluglärmgesetz, 2007 unter großen Mühen novelliert, hantiert mit wenig praktikablen Grenzwerten und Schutzzonen. Was auf lange Sicht der Bevölkerung nützen soll, stellt in den nächsten Jahren zunächst einmal die Kommunen vor die schwierige Frage, in welche Richtung sie sich überhaupt noch entwickeln können.

          Ob die Eigeninitiative im „Frankfurter Forum“ tatsächlich die erhofften Entlastungseffekte unter den An- und Abflugrouten bringen wird, bleibt abzuwarten. Gemessen werden soll das mit einem „Lärmindex“. Gefragt wird dafür, wie stark sich die Menschen belästigt fühlen. Auch eine breit angelegte „Lärmwirkungsstudie“, die Gesundheitsrisiken erforschen soll, ist geplant. All dies wird nicht zu einer „gerechten“ Verteilung des Fluglärms führen. Aber man spürt, es bewegt sich etwas. Und schon das ist kein schlechtes Gefühl.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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