https://www.faz.net/-gzg-sjc8

Kommentar : Mehr als Daseinsvorsorge

Die Messe Frankfurt nimmt eine Sonderstellung ein in Frankfurt wie in der Branche. Dies ist in beiden Fällen so, weil es dem Konzern gelungen ist, im Ausland zusätzliche Märkte zu erschließen.

          2 Min.

          Die Messe Frankfurt nimmt eine Sonderstellung ein in Frankfurt wie in der Branche. Dies ist in beiden Fällen so, weil es dem Konzern gelungen ist, im Ausland zusätzliche Märkte zu erschließen. Das Unternehmen wird zwar in Frankfurt in erster Linie als Organisator der verschiedenen Konsumgütermessen wahrgenommen, die leider dem Fachpublikum vorbehalten sind, und als Vermieter seiner Hallen für die großen Publikumsmessen, namentlich die IAA und die Buchmesse. Doch längst boomt vor allem das Geschäft in Übersee, wo der Konzern zwar klugerweise keine eigenen Hallen besitzt, aber doch sein Know-how nutzt, indem er etwa eine Automechanika auch für Schanghai organisiert. Die Messegesellschaft folgt damit den Märkten. Nichts anderes ist von einem unternehmerisch denkenden Management zu erwarten.

          Die GmbH ist damit bisher gut gefahren. Die Umsätze steigen vor allem durch das Wachstum im Ausland von Jahr zu Jahr, und unter den deutschen Messegesellschaften ist der Frankfurter Konzern der einzige, der dauerhaft ernstzunehmende Gewinne erwirtschaftet - 2005 immerhin gut 22 Millionen Euro. Das markiert seine Sonderstellung in der Branche.

          Schattenseiten der Gewinn-und-Verlust-Rechnung

          Das Auslandsgeschäft läßt ihn aber auch aus den Frankfurter Unternehmen in öffentlichem Besitz herausragen (die Messe gehört zu 60 Prozent der Stadt und zu 40 Prozent dem Land). Mit den herkömmlichen Begründungen für staatliches Engagement, die als Daseinsvorsorge zusammengefaßt werden, lassen sich die Aktivitäten auf anderen Kontinenten, sosehr sie sich aus der Logik des Geschäfts ergeben, nicht erfassen. Es stellt sich auch die Frage, ob öffentliche Anteilseigner nicht überfordert sind, sollen sie derlei über den Aufsichtsrat kontrollieren.

          Daß eine effektive Kontrolle des wachsenden Konzerns vonnöten ist, zeigen die Schattenseiten der Gewinn-und-Verlust-Rechnung im Geschäftsbericht 2005. So erfolgreich der Konzern auch ist, so eigentümlich wirken doch die beachtlichen Kostensteigerungen bei den Sachausgaben wie beim Personal, und derlei wird nicht besser dadurch, daß sich der Antrieb des Managements, solches zu begründen, in Grenzen hält. Es wäre, davon abgesehen, hilfreich, wiese der Konzern die Geschäftsführer-Bezüge einzeln aus, wie dies mit guten Gründen bei börsennotierten Gesellschaften mehr und mehr üblich ist, auch bei dem anderen großen Infrastruktur-Konzern in Frankfurt, der Fraport AG. Bisher werden die Ausgaben bei der Messe nur summarisch angegeben; 2005 beliefen sie sich für die drei Geschäftsführer zusammen auf 1,8 Millionen Euro.

          Soll die Messegesellschaft auch weiterhin so dynamisch wachsen, wie es ihr kämpferischer Chef Michael von Zitzewitz will, so wird sich die Frage der Eigentümerschaft mehr und mehr stellen, wobei zwischen dem jetzigen Zustand und einer vollständigen Privatisierung vielerlei Modelle denkbar sind. Die Alternative, einen in überkommenen Strukturen gefesselten Konzern, an dem vor allem ausländische Konkurrenten vorbeiziehen, kann auch in Frankfurt niemand wollen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ermittlungen gegen „The Dome“

          Bau einer Frankfurter Arena : Ermittlungen gegen „The Dome“

          Im Vergabeverfahren zum Bau einer Arena in Frankfurt soll der Geschäftsführer des Projekts „The Dome“ bestechliche Tätigkeiten unternommen haben. Die Gesellschaft will am Flughafen eine Multifunktionshalle bauen.

          Topmeldungen

          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?
          Canal d’amour: In der romantisch wirkenden Felsbucht auf Korfu ist noch Platz für Gäste.

          Tourismus im Corona-Sommer : Die Schicksalssaison

          Volle deutsche Küstenorte, aber leere Stadthotels und gekürzte Flugpläne ans Mittelmeer – im Sommer nach dem Corona-Stillstand erholt sich der Tourismus nur mancherorts. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.