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Kommentar : Lust an der Panik

Sie dürfen wieder mit vollen Maschinen fliegen Bild: ddp

Wenn den Aktienmarkt wegen einer Aschewolke Hysterie erfasst, lässt sich kaum gegensteuern, ein Bundesminister aber sollte sich Aufgeregtheiten verkneifen. Es hat schon ehrabschneidenden Charakter, der Lufthansa zu unterstellen, auf Kosten der Sicherheit zu zocken.

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          Da wird mal eben einer der zuverlässigsten Airlines der Welt unterstellt, ihr sei Profit wichtiger als die Sicherheit. Da schlagen die Aktienkurse so heftig aus, dass Analysen keine rationale Erklärung dafür finden. Eine Art Lust an der Panik greift um sich. Die Aschewolke aus Island scheint zumindest die Sicht auf die Realität zu verschleiern. Ein wenig erinnert das alles an die Schweinegrippe.

          Wenn den Aktienmarkt Hysterie erfasst, lässt sich kaum gegensteuern, ein Bundesminister aber sollte sich derartige Aufgeregtheiten verkneifen. Natürlich geht die Sicherheit auch bei der Lufthansa vor. Es braucht wohl kaum Peter Ramsauer, um diese Erkenntnis dem Management der größten deutschen Airline, die als eine der sichersten der Welt gilt, ins Gedächtnis zu rufen. Es hat schon ehrabschneidenden Charakter, der Lufthansa-Spitze zu unterstellen, sie zocke sozusagen auf Kosten der Sicherheit.

          Keine Hasardeure

          Auch Piloten leben gern. Und die Piloten der Lufthansa, die vorgestern, gestern und heute Cargo- und Überführungsflüge geflogen sind, sind nicht lebensmüde, es sind keine Hasardeure, und es sind auch keine Leute, die sich von irgendetwas oder irgendjemand so unter Druck setzen ließen, dass sie mehr riskieren würden als vertretbar. Es sind Profis, deren Job im Kern darin besteht, unter Druck die richtige Entscheidung zu treffen bei der Abwägung zwischen dem für die Sicherheit Notwendigen und dem in der Fliegerei nie vollkommen auszuschließenden Risiko.

          Spricht man mit Piloten, drängt sich die Vermutung auf, dass die luftverkehrstechnische Stilllegung ganzer Teile Europas über mehrere Tage hinweg hätte vermieden werden können, wenn man mehr der Erfahrung aus der Praxis als Computer-Simulationen gefolgt wäre. Inzwischen scheint auch in Berlin die Lust an der Panik wieder einem vernünftigen Umgang mit einer zweifellos erhöhten Risikolage zu weichen. In Österreich waren schon gestern die Flughäfen wieder offen, in Deutschland wird sich die Lage wohl auch bald wieder normalisieren.

          Dialog statt Lust an der Panik

          Wenn die Verantwortlichen dann wieder zum vernünftigen Dialog zurückgefunden haben, kann man sich gemeinsam Gedanken darüber machen, wie man künftig professioneller mit außergewöhnlichen Situationen dieser Art umgeht, anstatt die neue Lust an der Panik zu befeuern.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

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