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Kommentar : Keine Panik, kein Beschwichtigen

Kann ich noch Fisch essen, sind japanische Lebensmittel wohl verseucht, wo gibt es Jodtabletten? Die Havarie in den Reaktoren von Fukushima hat nicht nur Radioaktivität in deren Umgebung freigesetzt.

          Kann ich noch Fisch essen, sind japanische Lebensmittel wohl verseucht, wo gibt es Jodtabletten? Die Havarie in den Reaktoren von Fukushima hat nicht nur Radioaktivität in deren Umgebung freigesetzt, sondern auch Befürchtungen im mehr als 9000 Kilometer entfernten Rhein-Main-Gebiet ausgelöst. So vielfältig die Befürchtungen sind, so einfach lassen sie sich zusammenfassen: Wird der Reaktor-Unfall bei uns Spuren hinterlassen? Die Region um Frankfurt betrifft er zur Zeit nur mittelbar. Vom Flughafen aus startet die Lufthansa nicht mehr nach Tokio, Maschinen, die aus Japan kommen, werden auf Strahlenbelastung untersucht. Nach Düsseldorf ist Frankfurt die Stadt mit der größten japanischen Gemeinde in Deutschland, und dass deren Mitglieder sich um ihre Landsleute sorgen, ist nicht schwer nachzuvollziehen.

          Nicht leicht zu verstehen fällt es hingegen manchem, dass sich auch Deutsche ohne Beziehungen nach Japan Sorgen machen, um sich und ihre Familien. Argumente der Art, dass eine radioaktive Wolke, wenn sie entstehen und bis Deutschland getrieben werden sollte, nur noch stark verdünnt niederregnen würde, sind kaum geeignet, solche Ängste zu mildern. Dies schon deshalb nicht, weil sie zu einem guten Teil auf den Ereignissen im Zuge des Unglücks von Tschernobyl vor einem Vierteljahrhundert gründen.

          Für Panik gibt es heute keinen Grund

          Wer heute vierzig ist und älter, sieht in seinem Erwachsenen-Leben zum zweiten Male Bilder einer Kernschmelze. Er wird zum zweiten Male Zeuge von Ereignissen, deren unterstellte Unwahrscheinlichkeit eine der Grundvoraussetzungen ist für den politischen Umgang mit dem Thema Kernenergie. Und wer Kinder hat, macht sich auch Gedanken, ob die ein solches Unglück einmal aus nächster Nähe werden erleiden müssen.

          Die Annahme, als ein unverdient glücklich weit weg von einer atomaren Katastrophe wohnender Mensch mit ihren Auswirkungen im Extremfalle trotzdem konfrontiert zu werden, hat ihre Berechtigung. Das zeigt schon die Tatsache, dass es 25 Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall in seiner Folge noch Lebensmittel auch aus Deutschland gibt, die wegen zu hoher radioaktiver Belastung nicht in den Handel gelangen dürfen. Ob die Ereignisse in Japan sich ähnlich auswirken werden, steht in Frage. Für Panik gibt es heute keinen Grund. Fürs Beschwichtigen aber auch nicht.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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