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Kommentar : Keine Panik

  • -Aktualisiert am

Demjenigen, der guten Journalismus schätzt, mag die Krise Anlass sein, darüber nachzudenken, ob ihm eine halbwegs ordentliche Tageszeitung nicht den Gegenwert einer Tasse Kaffee wert sein sollte.

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          Flüchtige Leser, Hörer, Zuschauer oder „User“ müssen angesichts der Nachrichten der vergangenen Wochen den Eindruck gehabt haben, die Zeitungswelt gerate aus den Fugen. In der Tat häuften sich die schlechten Nachrichten. Erst meldete die traditionsreiche „Frankfurter Rundschau“ nach immerhin fast siebzig Jahren Insolvenz an, auf Deutsch Zahlungsunfähigkeit, der Verlag Gruner + Jahr stellt nach einer Dekade guten Journalismus und schlechten Geschäfts die „Financial Times Deutschland“ ein, und dann meldet die Fachpresse auch noch, dass der „Wiesbadener Kurier“ seine Vollredaktion verliert.

          Natürlich sind das keine guten Nachrichten, das Ende der deutschen Ausgabe der „Financial Times“ ist ausgemacht und so bedauerlich, wie es der Verlust jedes intelligenten Blattes für die Stimmenvielfalt ist. Auf einen Fortbestand der „Rundschau“ hohe Wetten abzuschließen wäre riskant, aber gleichwohl: Besiegelt ist das Ende der linksliberalen Zeitung noch keinesfalls, nur wahrscheinlich. Und der „Wiesbadener Kurier“?

          Er macht Gewinne. Wie übrigens viele deutsche Regionalzeitungen. Und der gesamte Verlag der Zeitungsgruppe Rhein-Main in Mainz, die den „Kurier“ und die „Allgemeine Zeitung“ und viele weitere Blätter herausgibt, erzielt ebenfalls Gewinne. Da dies auch weiter der Fall bleiben soll, versucht das Unternehmen, Synergien zu heben. Deshalb kann man die Zusammenlegung des Überregionalen in Mainz als den ersten Verlust einer Vollredaktion in einer deutschen Landeshauptstadt bewerten. Es geht aber auch eine Nummer kleiner, nämlich darum, dass fünf Redakteure aus Wiesbaden künftig in Mainz arbeiten werden und die Inhalte - Stichwort Synergie - von „Kurier“ und „Tagblatt“ aus demselben Verlag angepasst werden - davon geht die Welt nicht unter.

          Krise ja, Untergang nein: So lässt sich fürs Erste und ohne Anspruch auf Nachhaltigkeit die Lage des Gedruckten zusammenfassen. Demjenigen, der guten Journalismus, insbesondere den teuren Lokaljournalismus, schätzt, mag die Krise Anlass sein, darüber nachzudenken, ob ihm eine halbwegs ordentliche Tageszeitung nicht den Gegenwert einer Tasse Kaffee wert sein sollte.

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