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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Kommentar : Kein Platz für Nörgler

Lärm gehört zum urbanen Leben. Das ist in jeder Stadt so. Ewige Nörgler, die fordern, dass Großveranstaltungen um 22 Uhr zu Ende sein müssten, sollten sich in Toleranz üben.

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          Wer schon einmal mehr als zehn Stunden auf einem Weihnachtsmarkt oder einem Rummelplatz verbracht hat, weiß, wie sehr einem Musik auf die Nerven gehen kann. Man hat das ungute Gefühl, sie werde immer lauter. Irgendwann klingt sie leierig. Und spätestens nach fünf Stunden ist man der festen Ansicht, dass diese Musik überhaupt nur gespielt wird, um einen zu provozieren. Und genau das ist der Moment, in dem man der Paranoia entfliehen sollte, indem man sich sagt, dass jedes Fest ja auch ein Ende hat.

          Diese Gelassenheit wünscht man sich zuweilen auch von Anwohnern, die offenbar am liebsten in einer Stadt leben wollen, in der es überhaupt keine Festivitäten gibt. Keinen Weihnachtsmarkt, kein Museumsuferfest, auch keinen Ironman, geschweige denn Rockkonzerte auf dem Opernplatz. „Zu viel Krach“, schimpfen die Lärmempfindsamen und rümpfen die Nase, als wäre ein Bürgerfest irgendetwas Anstößiges. Wenn Ardi Goldman von „kleinkarierten Bürgern“ spricht, dann klingt das böse – allerdings schwingt auch Wahrheit mit.

          Veranstaltungen machen eine Stadt erst lebenswert

          Denn wer an den Römerberg oder an den Opernplatz zieht, der muss wissen, dass er dort nicht wie in einer Ruheoase leben kann, sondern einen gewissen Lärmpegel zu bestimmten Jahreszeiten in Kauf nehmen muss. Das ist in jeder Großstadt der Fall und gehört zum urbanen Leben. Anwohner prominenter Plätze können nicht einerseits die Vorzüge der City genießen und gleichzeitig behaupten, die Stadt terrorisiere sie. Und es ist auch nicht fair allen anderen Bürgern gegenüber, denn immerhin machen Großveranstaltungen eine Stadt erst lebenswert – und oft auch international bekannt.

          Es sei dahingestellt, ob Goldmans Kampagne irgendetwas bewegen wird. Recht hat er allerdings, wenn er darauf hinweist, dass Veranstaltungen wie der Ironman möglicherweise „abwandern“ könnten, wenn um 22 Uhr Stille herrschen muss. Das wäre ein Imageverlust für die Stadt. So sollten sich die ewigen Nörgler künftig in Toleranz üben. Denn ein langweiliges Frankfurt, das außer Wolkenkratzern nichts zu bieten hat, kann auch nicht in ihrem Interesse sein. Dann wäre auch ihr schickes Apartment am Römerberg oder Paulsplatz bald nichts mehr Wert.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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