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Kommentar : Kein König der Löwen

Die Sorgen, das Skyline Plaza gefährde die Frankfurter Innenstadt, sind unbegründet. Allein in Frankfurt ist nach IHK-Angaben die Kaufkraft seit 2006 von 3,5 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen.

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          Fünfzehn Jahre reichen die Pläne zurück für das Grundstück im Frankfurter Europaviertel, auf dem heute das Einkaufszentrum Skyline Plaza eröffnet wird. Noch bevor von neuen Handelsflächen die Rede war, wollte ein Musical-Betreiber dort den „König der Löwen“ auf die Bühne bringen. Jahrelang war dann von einem Urban Entertainment Center die Rede, mal mit Großkino, mal mit Planetarium. Herausgekommen ist jetzt aber doch bloß ein Einkaufszentrum wie andere auch; dass die Investoren auf Betreiben der Stadt der Messegesellschaft noch ein Kongresszentrum hinstellen mussten, hat wenig mit den Plänen von einst zu tun.

          Die Sorgen, das Skyline Plaza gefährde die Frankfurter Innenstadt, sind unbegründet. Bei dem so oft zu hörenden Argument, unter der Schaffung neuer Handelsflächen litten etablierte Standorte, wird stets vergessen, dass die Wirtschaft wächst, allemal in Südhessen. Allein in Frankfurt ist nach IHK-Angaben die Kaufkraft seit 2006 von 3,5 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Die Frankfurter Innenstadt platzt aus den Nähten, die Ladenmieten an der Zeil zählen zu den höchsten Deutschlands. Eine aberwitzige Vorstellung, dort herrsche künftig Ödnis.

          Unsicherheitsfaktor Internet

          Das Skyline Plaza wird ein Stück vom Kuchen abbekommen. Seine schwierige Lage, nicht mehr Innenstadt und noch nicht Umland, und die Parkgebühren werden gleichwohl verhindern, dass es wenigstens im übertragenen Sinne zu einem König der Löwen wird. Es wird bei weitem nicht an die Bedeutung der Innenstadt heranreichen. Und unter den Einkaufszentren der Region wird das Main-Taunus-Zentrum vorne bleiben, die Einkaufsmaschine im Ballungsraum schlechthin.

          Politiker sind gut beraten, dem Handel die Freiheit zu lassen, sich fortzuentwickeln. Insofern wäre es richtig, käme auch die Verwirklichung von Handelsflächen am Honsell-Dreieck voran, die das Gegenstück zum Skyline Plaza an der anderen Seite des Stadtkerns bilden würden - dort, wo sich Frankfurt ebenso modernisiert wie im Westen.

          Es kann allerdings auch sein, dass sich die Zeit solch aufwendiger Investitionen dem Ende zuneigt. Niemand vermag zu sagen, wie die Lust der Deutschen am Einkauf im Internet den Einzelhandel noch verändert. Die Geschäfte können darauf nur mit noch mehr Auswahl und noch mehr Aufwand bei der Präsentation reagieren. Die niedrigen Margen setzen aber dem Wunsch Grenzen, aus Ladengeschäften Erlebnisparks zu machen. Am heutigen Tag, an dem Frankfurts Einkaufslandschaft um 170 Geschäfte bereichert wird, darf man diese Sorgen im stationären Handel gern einmal vergessen.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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