https://www.faz.net/-gzg-7i8js

Kommentar : Kein Hasardeur

Lächeln und diskutieren: Thorsten Schäfer-Gümbel (Mitte) bei den Sondierungsgesprächen mit der CDU. Bild: dpa

In Hessen ist eine große Koalition möglich, im Wege steht bisher noch die Schulpolitik. Und doch trifft Thorsten Schäfer-Gümbel mit seiner Partei und den Grünen die Linkspartei zu Sondierungsgesprächen.

          1 Min.

          Manchmal ist die Stimmung besser als die Lage, manchmal ist es andersherum. Teilnehmer des ersten „Vorgesprächs“ zwischen der hessischen CDU und der SPD berichten übereinstimmend, Stimmung und Lage seien identisch gewesen - und zwar gleichermaßen gut.

          Will heißen: Eine große Koalition in Hessen ist möglich. Damit es dazu kommt, müsste allerdings noch ein recht unhandlicher Brocken aus dem Weg geräumt werden, nämlich die unterschiedlichen Vorstellungen von CDU und SPD über die richtige Schulpolitik. In Hessen zeigen Veteranen vergangener Schulkämpfe gern und stolz ihre Narben, und die SPD trägt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach, dass er im Wahlkampf sagte, die SPD wolle das Gymnasium abschaffen und par ordre du mufti eine Einheitsschule einführen. Die Empörung der SPD fiele freilich überzeugender aus, wenn sie vor der Wahl unzweideutiger gesprochen hätte.

          Kein Abenteuer mit der Linkspartei

          Bemerkenswerterweise ist von maßgeblicher Seite in Wiesbaden zu hören, Schwarz-Grün sei ebenso vorstellbar wie eine große Koalition. Zwischen CDU und Grünen liegt sperrig der Frankfurter Flughafen. Da brauchte es schon ein feingesponnenes Kompromissgewebe, unmöglich scheint aber auch das nicht. Zumindest die Führung der Grünen bestreitet die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens nicht (mehr). Auf die Forderung der Grünen nach einem längeren Nachtflugverbot wird sich die CDU zwar nicht einlassen können, aber auf mehr aktiven und passiven Lärmschutz würde man sich verständigen können.

          Und Rot-Grün-Rot? Knapp die Hälfte der SPD-Landtagsfraktion wäre wohl dafür zu haben. Sie kann der Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel nicht vor vollendete Tatsachen stellen, deshalb müssen er und die Grünen auch mit der Linkspartei reden, und sei es, um die Dividende für eine große Koalition hochzutreiben.

          Schäfer-Gümbel ist kein Hasardeur. Er hat nicht die SPD in Hessen wieder aufgerichtet, um sich jetzt in ein Abenteuer mit der Linkspartei zu begeben, das vor fünf Jahren die Sozialdemokraten abstürzen ließ. Allein in der Finanzpolitik trennen Rot-Grün auf der einen und die Linken auf der anderen Seite mehr als Schulpolitik und Flughafen zusammen. Und Schäfer-Gümbel weiß, dass er die Stimmen der Linken nicht nur bei der Wahl des Ministerpräsidenten brauchte, sondern bei jeder Abstimmung aufs Neue. Ein Linksbündnis geht nur ein, wem Erpressung nichts ausmacht.

          Topmeldungen

          „March for Life“ : Gegen Abtreibungen, für Trump

          Donald Trump spricht als erster amerikanischer Präsident beim „Marsch für das Leben“, der jährlichen Demonstration der Gegner des geltenden Abtreibungsrechts. Die Aktivisten, von denen viele sonst Kliniken belagern, bereiten ihm einen warmen Empfang.

          Bundesliga-Titelrennen : Flick und seine Forderung an die Bayern

          Die Münchner kämpfen gegen einige Konkurrenten um den Titel. Vor dem Duell mit Schalke freut sich Hansi Flick über neue personelle Optionen. Eine schlechte Eigenschaft seines Teams hat ihn aber überrascht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.