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Kommentar : Inklusion hat ihren Preis

Niemand spricht sich ernsthaft dagegen aus, dass behinderte mit nicht-behinderten Kindern zusammen lernen sollen. Bild: dpa

Wäre es besser gewesen, die Inklusion gar nicht erst ins Schulgesetz aufzunehmen? Das wäre schon deshalb nicht gegangen, weil Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert.

          Es ist knapp ein Jahr her, das Inklusionsgebot war noch nicht ins hessische Schulgesetz aufgenommen, da machte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine Rechnung auf. Sie nahm an, dass alle Frankfurter Kinder, die heute noch auf Förderschulen geschickt werden, auf Regelschulen gehen und dort nach den Standards des Gemeinsamen Unterrichts beschult würden. Dafür brauchte man fünf Prozent mehr Lehrer, so die überschlägige Kalkulation.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer sieht, welche Kraft es das Land bislang gekostet hat, die Unterrichtsversorgung von 100 auf 100,25 Prozent zu erhöhen, erkennt schnell, dass eine solche Steigerung kurzfristig völlig illusorisch ist. Wäre es deshalb besser gewesen, die Inklusion gar nicht erst ins Schulgesetz aufzunehmen? Das wäre schon deshalb nicht gegangen, weil Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert und seine Bundesländer damit verpflichtet hat, ihre Gesetze entsprechend zu ändern.

          Den Elternwillen erst nehmen

          Davon abgesehen gibt es auch kaum jemanden, der Behinderten das Recht auf volle gesellschaftlichen Teilhabe abspräche. Diese lässt sich ohne eine freie Schulwahl nicht denken. Wobei „frei“ gerade nicht bedeutet, dass alle Kinder auf eine Regelschule gehen müssen. Es gibt Eltern, die aus guten Gründen meinen, ihr Kind sei auf einer Förderschule besser aufgehoben.

          Zum Beispiel auf der Frankfurter Weißfrauenschule, wo Kinder mit Sprachschwierigkeiten einen Raum finden, der sie zugleich schützt und fordert. Die Schüler werden nicht von der „wirklichen“ Welt abgeschottet, sondern stark für sie gemacht. Bis zu 80 Prozent der Abgänger bekommen eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt - auch das ist eine Form gesellschaftlicher Integration.

          Wenn man den freien Elternwillen ernst nimmt, muss es neben dem gemeinsamen Lernen also auch weiterhin Förderschulen geben. Auf der anderen Seite müssen die inklusiven Schulen so ausgestattet werden, dass die Eltern ihre Kinder, seien sie behindert oder nicht, ohne Bedenken dorthin geben können. Die Bedingungen hierfür überall zu schaffen, wird dauern. Und viel Geld kosten.

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