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Kommentar : Informationsdebakel

Wer die neuen Zahlen aus dem Sportdezernat zum Deutschen Turnfest in Frankfurt hört, fragt sich sehr grundsätzlich, wie verlässlich die Kostenpläne des Frankfurter Magistrats eigentlich sind.

          Wer die neuen Zahlen aus dem Sportdezernat hört, fragt sich sehr grundsätzlich, wie verlässlich die Kostenpläne des Frankfurter Magistrats eigentlich sind. Dass sich die Ausgaben der Stadt für das Deutsche Turnfest innerhalb von drei Jahren von 5,1 Millionen Euro auf 25 bis 30 Millionen Euro erhöht haben sollen, klingt so unwahrscheinlich, dass nicht einmal Dezernentin Daniela Birkenfeld daran glaubt.

          Wie sonst wäre es zu erklären, dass die CDU-Politikerin mehr oder weniger offen zugibt, schon 2005 sei klar gewesen, dass der Betrag nicht ausreichen werde: Ein Blick in das Verzeichnis, in dem der Turner-Bund detailliert auflistete, was er benötige und unentgeltlich erwarte, hätte das gezeigt, sagt sie. Birkenfeld war damals selbst Stadtverordnete. Von einem Aufschrei ihrerseits ist nichts bekannt.

          Entscheidend aber ist etwas anderes, sehr Ärgerliches, das Zweifel an der Professionalität des Magistrats aufkommen lässt. Dass die meistens ehrenamtlich tätigen Stadtverordneten nicht immer alle verborgenen oder halboffenen Zusatzkosten erkennen und richtig einschätzen, ist verzeihlich. Dass aber Dezernenten – das sind Berufspolitiker – nicht in der Lage sind, den Stadtverordneten – das sind die Vertreter der Bürger – präzise Informationen als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu stellen, ist höchst bedenklich. Wer weiß, wie die Abstimmung zum Turnfest ausgegangen wäre, wenn jeder gewusst hätte, dass die Stadt statt 70 Euro einen Zuschuss von bis zu 400 Euro je Teilnehmer berappen muss?

          Die Vorlage aus dem Jahr 2005 verantwortet der damalige Sportdezernent Vandreike. Derselbe SPD-Politiker, unter dessen Führung die Kosten für das Rahmenprogramm der Fußball-WM in Frankfurt laut Kämmerei von 2,4 auf mehr als zehn Millionen Euro wuchsen. Dass Birkenfeld, erst seit 2007 im Amt, die Mehrkosten schon vor einer Veranstaltung beziffert, ist immerhin eine Verbesserung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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