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Kommentar : Hinter der Fassade

Die Psychiatrie-Klinik ist offenbar zum Schauplatz von Mobbing und Intrigen geworden.

          Harald Hampel liebt bombastische Worte. Die gerade beendete Renovierung der psychiatrischen Uniklinik in Frankfurt feiert ihr Direktor in der Einladung zum heutigen Festakt als besonders gelungene „Synergie zwischen Tradition und Moderne“. Ästhetisch-funktionale Architektur vereine sich hier mit „hochmoderner Spitzenforschung und Spitzenmedizin von Weltruf“. Die Fassade des Hauses glänzt also - doch das Fundament scheint bedrohlich zu wackeln. Glaubt man den Berichten ehemaliger Mitarbeiter, so hat Hampel die Klinik in den knapp zwei Jahren seit seinem Amtsantritt nicht nur zum Schauplatz von Mobbing und Intrigen gemacht, sondern auch ihre Funktionsfähigkeit in Gefahr gebracht.

          Was dem Professor vorgeworfen wird, geht weit über das Maß an Allüren hinaus, das bei einem „Halbgott in Weiß“ wohl oder übel hinzunehmen ist. Sollte auch nur die Hälfte der Anschuldigungen stimmen, wäre er zumindest charakterlich ungeeignet, ein Krankenhaus zu führen. Das musste die Klinikleitung nicht wissen, als sie den umtriebigen Alzheimer-Experten nach Frankfurt holte. Wohl aber, dass sie sich auf einen Mann einließ, dessen Persönlichkeit und Wirken schon seit längerem, milde ausgedrückt, umstritten sind.

          Jetzt kann der Klinikumsvorstand nur noch versuchen, den Schaden, der schon eingetreten ist, zu begrenzen

          Bereits 2007 hatte das Magazin „P.M.“ Hampel wegen dessen Kooperation mit dem Alzheimer-Forscher Trey Sunderland kritisiert, der Nervenwasserproben von Demenzpatienten ohne deren Wissen gegen Honorar an den Pharmakonzern Pfizer weitergegeben hatte. Von der Journalistin Cornelia Stolze musste sich Hampel in der „Süddeutschen Zeitung“ ebenfalls einen fragwürdigen Umgang mit solchen Proben vorhalten lassen. In einem kürzlich erschienenen Buch bekräftigte Stolze ihre Vorhaltungen. Wie zu hören ist, hat mindestens eine Universität wegen dieser Affäre auf eine Berufung Hampels verzichtet. In Frankfurt dagegen war der Wissenschaftler, der auch an früheren Wirkungsstätten als „schwierig“ galt, herzlich willkommen - vermutlich wegen seiner Publikationsliste, die selbst manchen von Hampels Gegnern imponiert.

          Jetzt kann der Klinikumsvorstand nur noch versuchen, den Schaden, der schon eingetreten ist, zu begrenzen. Es wäre schlimm, wenn die personelle Auszehrung der psychiatrischen Klinik dazu führen würde, dass der Fortbestand der traditionsreichen Einrichtung in ihrer jetzigen Form in Frage gestellt werden müsste. Ein schneller Neuanfang ist nötig, vor allem hinter der Fassade der Chefetage.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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