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Kommentar : Hessen im Glück

Schlüssel zum Glück: Ob es am Wohnort liegt, wie diese Postkarte nahelegt, ist nicht ganz eindeutig. Bild: Waldner, Amadeus

Glückwünsche gehören zum neuen Jahr wie Grüne Soße zu Frankfurt. Aber was macht glücklich? Ein Lottogewinn? Eine gesunde Familie? Die Wissenschaft streitet zwar noch, weiß aber: Hessen sind es.

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          Einander Glück zu wünschen zählt zum Jahreswechsel zum guten Ton. Wiewohl manchmal flink dahingesagt, kommt den meisten Zeitgenossen der Wunsch „Ein glückliches neues Jahr“ doch von Herzen.

          Nun ist es mit dem Glück so eine Sache. Es gibt das Glück als mehr oder weniger unverdientes Zufallsprodukt, als Gegenteil von Pech. Solches Glück hat, wer im Lotto gewinnt oder wer es vor einem Regenguss gerade noch ins Trockene schafft. Glück im Sinne von Fortune hat, wer klug handelt. „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“, sagt Demokrit. Und schließlich das Glück, das von innen kommt und viel mit Genügsamkeit zu tun hat. „Gott, was ist Glück: eine Grießsuppe, eine Schlafstelle, keine körperlichen Schmerzen - das ist schon viel“, sagt Fontane.

          Glück und Verzweiflung liegen nah beieinander

          Für die Hessen kommt glückhaft alles zusammen, und sie empfinden das auch so. Denn Hessen liegt mitten auf einer Achse des gefühlten Glücks, die von Bayern und Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen reicht. Auf einer nach oben geschlossenen Skala des Glücksempfindens rangieren diese vier Bundesländer mit dem Wert 7,6 an der Spitze.

          Wie nahe allerdings Glück und Verzweiflung beieinanderliegen, weiß nicht nur jeder Fan des FSV Frankfurt, es zeigt sich auch an der hessischen Ostgrenze. Die Thüringer zählen mit dem Glückswert 7,0 zu den Verzagtesten im Lande, dabei hat die rot-rot-grüne Landesregierung die Arbeit noch gar nicht richtig aufgenommen. Alles Humbug? Kann sein, doch immerhin hat diese Zahlen das Institut für Glücksforschung in München zusammengetragen, das sich in schöner Bescheidenheit die „Nr. 1 der aktuellen Glückswissenschaft“ nennt.

          Doch warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, sich wissenschaftlich mit dem Pech zu befassen? Haben wir im Leben nicht mindestens so oft Pech wie Glück? Wieder nicht im Lotto gewonnen und auch noch nass geworden?

          „Wer glücklich ist, sollte nicht noch glücklicher sein wollen“, mahnt Fontane. Was läge also näher, als im ohnehin vom Glück besonnten Hessen ein Exzellenzcluster für angewandte Pechforschung zu gründen? Interdisziplinär angelegt als „House of Bad Luck“, stünde es Lotteriegesellschaften und der Regenschirmindustrie offen, als Sitz käme Offenbach in Betracht. Prosit Neujahr und viel Glück!

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