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Kommentar : Hamburger Schule

Von der Stadt an der Elbe ausgehend, hat die „Hamburger Schule“ eine Generation von deutschsprachigen Popmusikern geprägt. Ähnlich stilbildend könnte nun auch die Entscheidung der Hansestädter gegen die schwarz-grüne Schulreform wirken.

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          Von der Stadt an der Elbe ausgehend, hat die „Hamburger Schule“ eine Generation von deutschsprachigen Popmusikern geprägt. Ähnlich stilbildend könnte nun auch die Entscheidung der Hansestädter gegen die schwarz-grüne Schulreform wirken. Für Bildungspolitiker aller Bundesländer ist der Ausgang des Referendums eine Warnung, in nächster Zeit die Hände von der Schulstruktur und insbesondere vom Gymnasium zu lassen.

          Seit Jahrzehnten leiden die Schulen unter ständigen Reformen. Kaum ist eine Landesregierung ins Amt gekommen, erprobt sie ihren politischen Gestaltungswillen am Bildungswesen. Das galt lange auch und ganz besonders für Hessen. Dabei war nicht alles schlecht, was eingeführt und teils wieder abgeschafft wurde. Das Problem waren das zermürbende Hin und Her, die Grabenkämpfe, die mehr mit Ideologie und teils auch mit schulferner Bürokratie als mit dem Wohl der Schüler zu tun hatten.

          Erneuerungsbedarf

          Mit dem zwischenzeitlichen Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) und dessen Nachfolgerin Dorothea Henzler (FDP) ist endlich etwas Ruhe in die Schulen eingekehrt. Vom Hamburger Votum darf sich die Wiesbadener Regierungskoalition in ihrem Kurs bestätigt fühlen, der auf Freiwilligkeit und ein differenziertes Schulsystem setzt. Vielfalt ist dabei mehr als Dreigliedrigkeit: Längst sind die Gesamtschulen zur tragenden Säule und teils zum Vorreiter des Bildungswesens geworden. Ein längeres gemeinsames Lernen - weit über die sechste Klasse hinaus - ist dort kein Wunsch, sondern Realität. Zugleich entwickeln die Gymnasien mehr Selbständigkeit und ihr eigenes, zum Beispiel naturwissenschaftliches oder musisches, Profil. Die Eltern wissen das zu schätzen, wie die hohen Anmeldezahlen an beiden Schulformen zeigen.

          Es ist also übertrieben, wenn Landesschulsprecher Tim Huß von einem „maroden System“ spricht. Das heißt aber nicht, dass es keinen Erneuerungsbedarf gibt. Besonders dringend ist er bei den Hauptschulen, die ihren Schülern keine Perspektive mehr bieten können. Hoffen lässt die Mittelstufenschule, in der hessische Haupt- und Realschüler vom übernächsten Schuljahr an zusammen lernen sollen. Henzler lässt derzeit entsprechende Konzepte entwickeln. Hierbei könnte man Lehren aus einem weiteren Beispiel von der Elbe ziehen: In Hamburg wird schon nach den Sommerferien die ähnlich ausgerichtete Stadtteilschule eingeführt.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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