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Kommentar : Gefühlt gescheitert

Der Widerstand gegen geplante Windräder im Hochtaunus hat sich organisiert. Über die Methoden der Windkraft-Gegner mag man diskutieren. Doch hat der Protest eine breite Basis, die man nicht ignorieren kann.

          Die Entscheidung der Süwag, sich nicht mehr am geplanten Windpark in der Nähe von Neu-Anspach zu beteiligen, ist ein Paukenschlag. Er kam für alle überraschend, sogar für den Projektpartner Juwi. Er muss den Rückzug als unfreundlichen Akt empfinden, und auch der Neu-Anspacher Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU), der wegen des Windparks vier Dienstaufsichtsbeschwerden zu überstehen hatte, zeigte sich leicht indigniert.

          „Grüner und kommunaler“ heißt die Strategie der Süwag. Noch allerdings besitzt das zweite Attribut mehr Gewicht als das erste. In 350 Städten und Gemeinden ist das Unternehmen Vertragspartner für die Stromkonzession und die kommunalen Energieversorger. Dieser Umstand hatte auch in Neu-Anspach den Ausschlag gegeben, dass sich die Politik für die Bietergemeinschaft mit der Süwag entschied: Man kannte sich.

          Eine breite Basis

          Inzwischen hat sich der Widerstand gegen die Windräder organisiert. Über die Methoden der Gegner mag man diskutieren. Doch spätestens die 1200 Unterschriften, die an einem einzigen Wochenende für das Bürgerbegehren zusammenkamen, haben der Politik gezeigt, dass der Protest eine breite Basis hat, die man nicht ignorieren kann.

          Für die Süwag kam es darauf an, ihren Ruf als Partner von Kommunen und Bürgern nicht zu gefährden. Womöglich hätte sie gegen die Stadt klagen müssen, wenn ein Bürgerentscheid die Politiker zum Widerspruch gegen den Windpark gezwungen hätte. Dieses Risiko hat sie mit dem Rückzug vermieden. Hinzu kam die Unsicherheit, ob die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes einen rentablen Betrieb zulassen wird.

          Die Energiewende erweist sich als mühsam, weil widerstreitende Interessen zu berücksichtigen sind: die Sorge um den Strompreis, die Kalkulation mit Subventionen, der Natur- und Landschaftsschutz, die Versorgungssicherheit. Insbesondere die Akzeptanz der Windkraft hängt von Stimmungen ab. Sie haben schon manchen Regionalpolitiker vom Gegner zum Befürworter werden lassen. Und jetzt ein Unternehmen zum Rückzug veranlasst.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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