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Kommentar : Fünf Monate nach Silvester

Partymeile: Das Gedränge auf dem Darmstädter Schlossgrabenfest war groß. Gruppen von Männern, mutmaßlich Asylbewerber, haben das ausgenutzt und Besucherinnen sexuell bedrängt. Bild: Picture-Alliance

In Darmstadt sollen beim Schlossgrabenfest ausländisch aussehende Männer Frauen sexuell belästigt haben. Der Umgang mit derartigen Fällen hat sich seit Köln geändert. Ein Kommentar.

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          Der Vergleich der Ereignisse in Darmstadt mit den Vorfällen in der Silvesternacht auf der Domplatte in Köln könnte hinken. Schließlich liegen in Köln inzwischen mehr als 1000 Strafanzeigen vor. Doch die Tatsache, dass sich in Darmstadt nach dem Schlossgrabenfest am vergangenen Wochenende mittlerweile 26 Frauen gemeldet haben, von denen die meisten von sexuellen Übergriffen durch ausländisch aussehende Männer berichten, deutet darauf hin, dass auch in der südhessischen Großstadt einiges aus dem Ruder gelaufen ist.

          Anders als noch in den Tagen nach Köln, als die Nation erstarrte und Frauen und Frauenorganisationen kaum bereit waren, Stellung zu nehmen, sind nun, fünf Monate später, viel mehr Politikerinnen und Verbände sprechfähig. Natürlich wird immer noch davor gewarnt, alle Ausländer als „Grapscher“ zu stigmatisieren. Doch die Angst, mit Äußerungen zu den Übergriffen durch Flüchtlinge dem rechten Lager zugeordnet zu werden, scheint schwächer geworden zu sein.

          Schon ein Fortschritt, über das Problem zu sprechen

          Das hat nicht nur damit zu tun, dass die ersten Asylbewerber eindeutig als Täter identifiziert worden sind. Vielen Frauen scheint auch klargeworden zu sein, dass sie für ihre Rechte, Freiheiten und das Selbstbestimmungsrecht kämpfen müssen.

          Das ist aber nur der erste Schritt. Erst wenn die Bundestagsabgeordneten das Sexualstrafrecht so verschärfen, dass das Grapschen zum strafbaren Delikt wird, können Frauen gleich welchen Alters wieder unbekümmert zum Schlossgrabenfest in Darmstadt und in der Silvesternacht auf den Eisernen Steg in Frankfurt gehen.

          In der Mainmetropole hatte es infolge der Kölner Ereignisse 63 Anzeigen gegeben. Es wird noch einige Zeit ins Land gehen, ehe sich die Gesellschaft einig ist, wie man jenen Flüchtlingen, die das tradierte Frauenbild ihrer Herkunft auch hier ausleben wollen, beikommen kann. Doch dass man heute offen über die Herausforderung spricht, ist schon ein Fortschritt. Er wäre ohne Köln nicht denkbar. Die Übergriffe in Darmstadt könnten weitere Debatten befördern.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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