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Kommentar : Freiheit für Uber

Herausforderer und Alteingesessener: Mit der App Uber kann nun jeder zum Taxifahrer werden. Bild: dpa

Die App Uber mischt derzeit das Taxigewerbe auf. Die Branche ist nicht sonderlich erfreut und fordert Frankfurt und andere Großstädte auf, die App zu verbieten. Doch von einem Verbot profitiert kaum einer.

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          Wer in einer Reihenhaussiedlung, in der alle Häuser grau gestrichen sind, sein eigenes lila lackiert, muss mit dem Schlimmsten rechnen. So ergeht es derzeit dem amerikanischen Unternehmen Uber, das mit einer pfiffigen Geschäftsidee die in die Jahre gekommene Taxibranche aufmischt.

          Glaubt man den Sonntagsreden, hat die „Shared Economy“, bei der das Teilen der Güter das Kaufen ersetzen soll, viele Freunde. Versucht aber jemand, sein eigenes Auto mit Fremden zu teilen, indem er sie nach der Buchung über eine App irgendwohin fährt – ein Aufwand, der nach üblichen Gepflogenheiten auch entgolten wird –, so trifft ihn der heilige Zorn all derer, denen Neuerungen eigentlich doch unheimlich sind.

          Mitfahrzentralen mit ähnlichem Prinzip

          Natürlich agiert Uber in einer Grauzone, und natürlich stellen sich Haftungsfragen, wenn man sein Privatauto zum Taxi macht, und sei es nur stundenweise. Das aber soll der Staat so regeln, dass die Dienstleistungen von Uber auf eine sichere Grundlage gestellt werden – und nicht etwa verhindert. Und genau das wäre auch der Auftrag für den Frankfurter Wirtschaftsdezernenten Frank (CDU), der aber lieber in seiner Eigenschaft als Ordnungsdezernent, der er zugleich auch ist, gegen Uber zu Felde ziehen will, auch wenn er offenbar im Moment noch nicht so recht weiß, wie.

          Tatsächlich wirkt das Taxigewerbe ein bisschen wie ein Relikt aus alter Zeit. Die Vorteile des Einheitstarifs und Einheitsangebots sind kaum mehr erkennbar, während umgekehrt die Nachteile auf der Hand liegen. Jeder weiß Geschichten über Fahrer mit bescheidenen Deutsch- und noch bescheideneren Ortskenntnissen zu berichten. Aber so ist es eben, wenn die Konkurrenz fehlt. Umgekehrt hat es über Jahrzehnte niemanden gestört, dass sich in ganz Deutschland Mitfahrzentralen etabliert haben. Ihr Geschäftsmodell ist es, Fremde an Autofahrer zu vermitteln, die sie gegen Geld mitnehmen, und zwar auf weit längeren Strecken als von Sachsenhausen zum Flughafen.

          Erst jetzt, wo die Überregulierung im Stadtverkehr durch ein ziemlich frech auftretendes Unternehmen herausgefordert wird, sieht sich die Politik gefordert. In Zeiten, in denen sich Firmen mit Leichtigkeit gründen lassen und mit einer App sogleich umstandslos große Reichweiten erzielen können, wird es noch manche Überraschungen dieser Art geben. Der Markt soll Regeln unterliegen, gewiss, aber er soll Konkurrenz ermöglichen, zum Nutzen aller. Das gilt auch für den Verkehr in Städten, allemal in solchen, die sich auf ihre Modernität so viel zugutehalten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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