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Kommentar : Fraport, bitte melden!

  • -Aktualisiert am

In der Öffentlichkeit darf man sich ein wenig wundern über das Kommunikationsverhalten der Fraport AG. Das Unternehmen wirkt wie abgetaucht.

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          Er hat es nicht wörtlich ausgesprochen. Aber was der Chef der Deutschen Flugsicherung Dieter Kaden sagen wollte, hieß in etwa: Ursächlich verantwortlich für den gestiegenen Fluglärm ist die Fraport AG. Sie hat die neue Landebahn gebaut. Und sie hat deren Lage bestimmt. In Kadens Äußerung, wenn auch diplomatisch intoniert, schwingt Ärger mit.

          Auch in der Öffentlichkeit darf man sich ein wenig wundern über das Kommunikationsverhalten der Fraport AG. Das Unternehmen wirkt wie abgetaucht. Es entsteht der Eindruck, als wisse man an der Spitze des Flughafenbetreibers alles über Zahlen, Investitionssummen und anzustrebende Erlöse, aber wenig über den Charakter eines Unternehmens, das vielfach mit der Region verwoben ist: Rhein-Main lebt von Fraport, aber Fraport lebt auch von Rhein-Main.

          Nicht öffentlich in Tränen ausbrechen

          Drei allgemein anerkannte Erkenntnisse der Krisenkommunikation hat die Fraport AG seit dem Losbruch des Protestorkans unbeachtet gelassen. Die erste lautet: Gerade in Krisen kommt es auf Kommunikation an. Auch wer schweigt, kommuniziert nämlich, allerdings auf meist für ihn abträgliche Weise. Zweitens: Der Begriff „Öffentlichkeitsarbeit“ enthält das Wort „Arbeit“. Mit anderen Worten: Kommunikation für ein so komplexes, im Kern sympathisches, aber in Teilen auch problematisches Unternehmen braucht langen Atem und ein Konzept.

          Drittens schließlich geht es um so etwas wie Empathie. Jeder erfahrene Krisenmanager weiß, dass die Hälfte des Zorns verraucht ist, wenn man dem Verursacher eines Ungemachs anmerkt, dass er es bedauert. Als der frühere Bürgermeister von Bremen Hans Koschnick den 2200 Arbeitern der Weserwerften mitteilen musste, dass ihre traditionsreiche Arbeitsstätte geschlossen werden musste, trat er vor sie hin und sagte, es gehe einfach nicht anders. Aber man merkte ihm an, dass er am liebsten losgeheult hätte.

          Stefan Schulte muss nicht öffentlich in Tränen ausbrechen. Aber Empathie hat man dem ersten Mann der Fraport AG nicht immer angemerkt. Stefan Schulte ist ein Verstandesmensch. Seine Annahme, die Menschen hätten doch gewusst, was mit der Eröffnung der neuen Landebahn auf sie zukomme, ist ein Verstandesargument, kein Kommunikationsargument.

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