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Kommentar : Flaniermeile statt Lieferzone

Flair mit Glas: das „Maró“. Bild: Simulation Eike Becker Architekten

Diese Lage hatte kaum jemand auf dem Schirm.Die Neue Rothofstraße für die meisten Frankfurter bisher ein weißer Fleck. Das soll sich nun ändern.

          Diese Lage hatte kaum jemand auf dem Schirm. Obwohl täglich Tausende mit dem Auto an ihr vorbeibrausen, ist die Neue Rothofstraße für die meisten Frankfurter bisher ein weißer Fleck. Mit den beiden Neubauvorhaben „Maró“ und „Luginsland 1“ wird sich das ändern. Der Name ist Programm: „Maró“ verweist auf den Treffpunkt von Neuer Mainzer Straße und Neuer Rothofstraße. An dieser Schnittstelle entsteht ein gläserner Kristall, der die abweisenden Zweckbauten der BHF-Bank aus den achtziger Jahren mit ihrer kuriosen Verbindungsbrücke im ersten Stock vergessen macht. Die Entwicklung ist auch ein Lehrstück über die Halbwertszeit mittelmäßiger Architektur. Nach kaum 30 Jahren hat das Gebäude schon wieder ausgedient.

          Es ist eine Kunst, wie Projektentwickler immer wieder neue Zonen und Adressen entdecken. Sie müssen ein Gespür für Lagen mitbringen, eine Vision haben. Sie sind Pioniere, riskieren etwas, denn jedes Bauvorhaben ist ein Wagnis. Gut, dass es in Frankfurt viele mutige Projektentwickler gibt, denn die Stadt profitiert von ihrem Ehrgeiz. Städtebaulich kann man der Neuen Rothofstraße kaum eine bessere Entwicklung wünschen. Sie ist bisher das hässliche Entlein im Quartier, der Hinterhof der Goethestraße, Lieferzone statt Flaniermeile.

          Bisher gab es keinen Grund zu verweilen

          Es gibt für die Bauherren allen Grund, optimistisch zu sein. Gemessen an Düsseldorf, bietet Frankfurt nur relativ wenig Fläche für Geschäfte im Luxussegment. Das beweist der harte Verteilungskampf auf der Goethestraße. Eine Erweiterung in verträglichem Maß kann das Quartier gebrauchen, schon mit Blick auf konsumfreudige Gäste des neuen Luxushotels am Opernplatz. Und wer weiß, vielleicht wird die Neue Rothofstraße ja eine Art „Goethestraße light“ mit jungen Marken und auch dem einen oder anderen Pub - ein bisschen London-Flair am Main.

          In der Passage zwischen Junghofstraße und Neuer Rothofstraße jedenfalls herrscht zur Mittagszeit schon heute reger Betrieb. Wer vom Maintower oder Eurotheum im Bankenviertel zu Fuß zur Freßgass’ will, nimmt den kurzen Weg. Bisher gab es für ihn keinen Grund, in der Neuen Rothofstraße zu verweilen. Nicht mehr lange.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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