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Kommentar : Fest der Solidarität

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Weihnachten ist ein Fest der Solidarität. Wie wäre es, sie in diesem Jahr besonders Christen im Nahen Osten zu zeigen? Für ihr Schicksal mehr Interesse aufzubringen als im Rest des Jahres wäre ein Anfang.

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          Wie mögen Christen fern der in unseren mitteleuropäischen Häusern ausbrechenden Heimeligkeit Weihnachten feiern? Zum Beispiel diejenigen, die im Nahen Osten vertrieben wurden, und diejenigen, die dort und anderswo wegen islamistischen Terrors Angst um ihr Leben haben müssen - so wie einst Maria, Joseph und Jesus, die mit Todesangst vor den römischen Häschern fliehen mussten.

          Das Schicksal jener Christen weckt kein allzu großes Interesse hierzulande, auch nicht unter ihren Glaubensbrüdern und -schwestern. Nicht zuletzt halten zwei Organisationen im Taunus die Beziehung zu ihnen wach: Open Doors in Kelkheim, eher evangelikal geprägt, und die katholische Einrichtung Kirche in Not in Königstein.

          Man mag über einen „Flashmob für verfolgte Christen“ lächeln, den Open Doors am 10. Januar wieder in mehreren Städten veranstalten will, oder über ein besonderes Gebet von Jugendlichen im März für Christen in Syrien, oder über manche überkommene katholische Spezifika bei Kirche in Not. Man kann dort zum Beispiel heilige Messen „bestellen“ und dafür Geld spenden, mindestens fünf Euro.

          Überheblichkeit ist fehl am Platz: Erstens halten beide Werke auch mit ihren Gebetsinitiativen das Bewusstsein für eine weltweite christliche Solidarität lebendig, und zum anderen unterstützen sie kirchliche Arbeit in mehreren Ländern, um christliches Leben zu stärken, und leisten Nothilfe. Open Doors hilft nach eigenen Angaben derzeit rund 3000 irakischen und 10 000 syrischen Flüchtlingsfamilien.

          Vergessen werden sollte darüber nicht, dass auch die beiden großen Kirchen mit ihren Hilfswerken Diakonie, Caritas und Missio wertvolle Hilfe in jenen Ländern leisten. Doch die Situation der Christen und anderer verfolgter Minderheiten wie die der Yeziden wird zu selten öffentlich thematisiert. Wie bekannt ist es schon, dass der 26. Dezember, der Tag des ersten Märtyrers Stephanus, seit 2003 den deutschen Katholiken als „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ gilt?

          Weihnachten ist ein Fest der Solidarität. Wie wäre es, sie in diesem Jahr besonders Christen im Nahen Osten zu zeigen? Für ihr Schicksal mehr Interesse aufzubringen als im Rest des Jahres wäre ein Anfang.

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