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Kommentar : Etwas Ruhe vor dem Sturm

  • -Aktualisiert am

Nun, da es allmählich ernst wird mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens, wächst an vielen Orten der Region die Furcht, die Lärmbelastung werde noch wesentlich stärker ansteigen als ohnehin befürchtet.

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          Nun, da es allmählich ernst wird mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens, wächst an vielen Orten der Region die Furcht, die Lärmbelastung werde noch wesentlich stärker ansteigen als ohnehin befürchtet. Nachdem schon im März, gleichsam als erster kleiner Schritt, die Routen für den „Gegenanflug“ verschoben wurden, gehen in den Rathäusern von Wiesbaden und im Main-Taunus-Kreis fast täglich Briefe mit der Forderung ein, die Bürgermeister müssten „etwas“ dagegen unternehmen. Dabei handelt es sich noch eher um eine Marginalie verglichen mit dem, was sich noch verändern wird, wenn Ende Oktober die neue Landebahn in Betrieb genommen wird.

          Es beginnt zu brodeln, bevor der Topf auf dem Feuer ist. Die Verordnung zu den Fluglärmschutzzonen, die am Freitag das hessische Kabinett beschlossen hat, ist auch deswegen von dem Geist getragen, im Zweifel ein paar Dezibel großzügiger zu sein, wenn es darum geht, wo Isolierglasfenster und Dämmmaterialien finanziert werden sollen. Eine vermeintlich kleine Korrektur mit großer Wirkung: Indem der Grenzwert von 53 auf das Minimum 50 Dezibel gesenkt wird, verdoppelt sich das Gebiet der Nachtschutzzone nahezu.

          Der Kampf gegen den Fluglärm hat das Zeug zu einer breiten Bürgerbewegung

          Allerdings lässt die Landesregierung entgegen der Forderung der Kommunen eine für die Luftverkehrsbranche günstige Übergangsregelung unangetastet. Diese gibt dem Betreiber eines Flughafens nach dem Bau oder Ausbau sechs Jahre Zeit, die Schutzzonen anzupassen. Man muss abwarten, wie stark die Regierung auf die Fraport AG durch ihren „Appell“ einzuwirken vermag, gerade in den neu und massiv betroffenen Gebieten das Programm möglichst früh zu starten. Dabei ist nicht von Nachteil, dass Hessen der größte Anteilseigner des Flughafens ist.

          Auch wenn er bürgernah auf dem Hessentag verkündet wurde, eine reine Goodwill-Aktion ist der Beschluss der Landesregierung sicher nicht. Das Programm kostet die Fraport AG an die 140 Millionen Euro, das politisch Wertvolle daran ist aber das Symbol, die Interessen der Anwohner höher zu gewichten, als es das Gesetz verlangt.

          Schließlich zeigt der sich auch in Berlin und München, in London und Köln formierende Protest: Der Kampf gegen den Fluglärm hat das Zeug zu einer breiten Bürgerbewegung. Und wohin die führen, welche Kraft die entwickeln kann, das weiß heute noch niemand.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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