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Kommentar : Etwas Besseres als der Henninger Turm

„Vielleicht bekommen wir Super-Vorschläge, an die bisher kein Mensch gedacht hat“, sagt Rainer Marquart, der Berater des Eigentümers. Henninger-Turm und das ehemalige Panoramarestaurant Bild: Frank Röth

Der Henninger-Turm hat einen sentimentalen, aber keinen ästhetischen Wert. Etwas Besseres soll her.

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          Vielleicht muss man als junger Mensch im Drehrestaurant des Henninger-Turms Kaffee getrunken haben. Vielleicht muss man mit seiner ersten Liebe dort am Fenster gestanden haben, die Stadt zu Füßen. Anders ist die Nostalgie nicht zu erklären, die den Getreidesilo umweht, der einmal das höchste Gebäude der Stadt war, nun aber schon seit Jahren ungenutzt vor sich hin dämmert.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Zugezogene ist der hohe ideelle Wert, den viele Frankfurter dem Henninger-Turm beimessen, ein Rätsel. Der klobige Turm mit drehbarem Bierfass auf dem Dach ist architektonisch belanglos. Seine Form wirkt, als hätte ein Zweijähriger mit Bauklötzen gespielt: Auf einen Quader wurde ein Zylinder gestellt. Fertig war das Wahrzeichen der Henninger-Brauerei.

          Mit dem momentanen Stand ist niemandem gedient

          Aufgrund seines volkstümlichen Erinnerungswerts wollte der Denkmalbeirat den Turm vor sieben Jahren sogar unter Denkmalschutz stellen lassen. Zum Glück lehnten die Denkmalschützer damals ab. Ihre Begründung ist interessant: Um den statisch völlig unausgereiften Turm umzunutzen, müsste er nämlich so stark umgebaut werden, dass von der Originalsubstanz nichts mehr erhalten bliebe.

          Dass der Eigentümer nun einen Architekturwettbewerb auslobt, um zu prüfen, was mit dem Turm passieren kann, ist zunächst ein gutes Signal. Mit einem ungenutzten Getreidesilo, dessen Drehrestaurant aus Brandschutzgründen ohnehin seit Jahren stillsteht, ist niemandem gedient.

          Nicht höher

          Auch wenn die Stadt darauf pocht, dass der Turm erhalten werden soll, sollte man sich nichts vormachen. Innerlich hat der Bauherr den Turm schon abgeräumt. Allein die Entscheidung, auch sogenannte Stararchitekten einzuladen, deutet darauf hin.

          Die Forderung der SPD Sachsenhausen, den gleichen Turm, statisch verbessert, noch einmal neu zu bauen, ist aberwitzig. Die Stadt tut gut daran, die Architekten in Ruhe arbeiten zu lassen. In einem ersten Schritt lautet die Aufgabe, zu untersuchen, ob sich der Turm umnutzen lässt. Ein Getreidesilo mit dünnen Wänden und ohne Zwischendecken zu einem attraktiven Wohngebäude zu machen dürfte schwierig werden.

          Daher ist es folgerichtig, dass der Wettbewerb auch eine Kür hat: den Entwurf eines Neubaus. Mitten in einem Wohnviertel ein Hochhaus zu errichten, ist angesichts der jahrzehntelangen Präsenz des Henninger-Turms vertretbar. Einen Rechtsanspruch darauf hat der Investor aber nicht. Wenn die Stadt also einen Neubau an dieser Stelle zulässt, dann sollte sie auf einer Wohnnutzung bestehen. Und höher als der Vorgänger sollte er nicht werden.

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