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Kommentar : Es mangelt an Freiwilligen

Gerade in Flächengemeinden ist die freiwillige Feuerwehr ein identitätsstiftender Faktor. Insofern ist die Auflösung einer Stadtteilwehr kein Verwaltungsakt, den ein Bürgermeister einfach so verfügt.

          Wenn es brennt, kommt die Feuerwehr. Das lernt jedes Kind. Nicht nur in der Großstadt mit ihrer Berufsfeuerwehr - nach wie vor die Ausnahme -, auch auf dem abgelegenen Dorf ertönt bald nach dem Alarm das Martinshorn. Wer beim Sommerurlaub im waldbrandgeplagten Süden Europas einmal in örtliche Zeitungen blickt, weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Vielen Ländern gilt das im 19. Jahrhundert erst in Frankreich aufgekommene, dann in Deutschland flächendeckend verbreitete System der freiwilligen Feuerwehren als vorbildlich. Außenstehende mögen sich gelegentlich über die hierarchische Ordnung und die vielen Fachbegriffe mokieren. Wenn es darauf ankommt, wie Anfang des Jahres beim Brand des Bürgerhauses Steinbach, zeigt sich jedoch die Stärke von standardisierter Ausbildung und straffer Organisation.

          Ihre wichtige Rolle im Notfall ist es nicht allein, die jegliche Änderungen an der Struktur der Feuerwehren für viele Politiker zu einem heißen Eisen machen, das sie lieber nicht anpacken. Gerade in Flächengemeinden mit vielen kleinen Ortsteilen ist die freiwillige Feuerwehr ein identitätsstiftender Faktor. Sie organisiert die wichtigen Feste und weckt den Gemeinschaftssinn: Wenn das Gerätehaus einen Anbau braucht, packen über viele Wochenenden hinweg alle mit an. Insofern ist die Auflösung einer Stadtteilwehr kein Verwaltungsakt, den ein Bürgermeister als formal oberster Dienstherr einfach so verfügt.

          Der Neu-Anspacher Verwaltungschef Klaus Hoffmann (CDU) ist nicht für falsche Sentimentalitäten bekannt. Es gehört Mut dazu, die Feuerwehr des Stadtteils Westerfeld zur Disposition zu stellen. Die Art und Weise war allerdings ungewöhnlich, und es wäre besser gewesen, noch stärker um Verständnis zu werben. Natürlich geht es angesichts der Kosten für Einsatzfahrzeuge, Ausrüstung und Gerätehäuser auch ums Geld. Vor allem aber braucht es Freiwillige, und genau daran mangelt es in Zeiten häufiger Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel. Insofern zeigt das Beispiel Westerfeld vor allem eins: Menschen, die sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen und dabei sogar ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, sind unbezahlbar. Aber keineswegs selbstverständlich.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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