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Kommentar : Erfreulicher Ideenwettbewerb

Die Frankfurter SPD wird selbst sehr genau wissen, wie viele Hindernisse einer Bebauung der Flächen zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach entgegenstehen. Aber sie hat mit ihrem Vorschlag ein Ausrufezeichen gesetzt.

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          Die Pressemitteilung der Freien Wähler in Frankfurt fällt ungewöhnlich aus. Der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hübner, der sonst zu fast jedem Thema eine sehr deutliche Meinung vertritt, eiert diesmal ziemlich herum. Mit Blick auf den SPD-Vorschlag, im nördlichen Stadtgebiet auf immerhin 200 Hektar einen neuen Stadtteil zu errichten, mahnt er im Stil eines Sozialarbeiters eine „offene und ehrliche Diskussion“ an.

          Immerhin hat sich Hübner die Mühe gemacht, ein paar Fragen zu formulieren. Etwa die, ob in den Metropolen immer mehr Bevölkerung konzentriert werden solle, während die Infrastruktur in den sich leerenden Landstrichen verfalle. Dahinter steckt die unausgesprochene Annahme, dass sich dieser Trend stoppen ließe, wenn es die Politik nur wollte.

          Menschen folgen Arbeitsplätzen

          Das ist eine naive Vorstellung. Nach allen Prognosen werden die Ballungszentren weiter wachsen. Unternehmen schaffen vor allem in den Metropolregionen neue Arbeitsplätze, die Menschen folgen ihnen. Wenig deutet darauf hin, dass sie es in ihrer Mehrzahl unfreiwillig und ungern tun. Und Frankfurt wird, so darf man hoffen, in dieser Entwicklung eine führende Rolle spielen.

          Die schwarz-grüne Koalition im Römer und der sozialdemokratische Oberbürgermeister müssen auf die Herausforderung reagieren. Ohne erhebliche Flächen für Neubaugebiete im Stadtgebiet zur Verfügung zu stellen, wird es nicht gehen. Dass nun zwischen den Parteien eine Art Wettbewerb ausgebrochen ist, wer schneller die richtigen Ideen liefert, kann den Bürgern nur recht sein.

          Mehrere Hindernisse

          Die SPD wird selbst sehr genau wissen, wie viele Hindernisse einer Bebauung der Flächen zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach entgegenstehen. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) hat sie noch einmal genannt: Das Gebiet liegt im Grünzug, die Verkehrsanbindung ist anspruchsvoll, die Schaffung einer völlig neuen Infrastruktur auf der grünen Wiese teuer.

          Aber die Sozialdemokraten haben mit ihrem Vorschlag ein Ausrufezeichen gesetzt. CDU und Grüne werden noch schneller als geplant konkrete Pläne vorlegen müssen. Dass Cunitz mehr auf die Erweiterung von Stadtteilen an ihren Rändern als auf ein einziges großes Neubauquartier setzt, muss nicht verkehrt sein. Entscheidend ist, dass er dann auch liefern kann.

          Matthias Alexander
          Redakteur im Feuilleton.

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