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Kommentar : Energie aus dem Wald

  • -Aktualisiert am

Auf dem Feld der Energiegewinnung aus forstlicher Biomasse fehlt es in Hessen immer noch an Engagement, Energie und Kreativität. Aber Hackschnitzel liefern auch dann noch Energie, wenn Windräder in der Flaute stehen und die Solarkollektoren im Dunkeln pausieren.

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          Dass die deutsche Energiewende ausgerechnet im „Internationalen Jahr der Wälder“ ausgerufen wurde, ist bislang noch wenig beachtet worden. Dabei muss und kann der Wald mit Holz als nachwachsendem Rohstoff zum Erreichen dieses politisch formulierten Ziels einen nennenswerten Beitrag leisten. Einen Beitrag, der im Gegensatz zu neuen Gas- und Kohlekraftwerken ökologisch deutlich verträglicher ausfallen könnte. Bislang allerdings sind, soweit der Wald in Hessen überhaupt ins Zentrum der Diskussion rückt, vor allem seine Kammlinien und Höhenrücken als Standorte für neue Windräder von Interesse. Doch der Wald hat viel mehr zu bieten. Die mehr als 600 Bürger beispielsweise, die schon jetzt mit selbstgeschlagenem und -zerkleinertem Holz aus dem Rheingauer Hinterlandswald ihre Haushalte mit Wärme versorgen, und das runde Dutzend Firmen, das im Forstamt Rüdesheim regelmäßig nach Industrieholz zur stofflichen und energetischen Verwendung vorstellig wird, wissen den Forst als Rohstofflieferanten schon heute zu schätzen.

          Hessens größtes zusammenhängendes, nicht von Verkehrsadern durchschnittenes Waldgebiet könnte noch einen deutlich größeren Beitrag zu den ehrgeizigen klimapolitischen Zielen des Rheingau-Taunus-Kreises beitragen. Große Hackschnitzel- oder Pellet-Anlagen zu installieren und zu finanzieren, das ist zwar mühsamer, als irgendwo im Wald eine Fläche für die Aufstellung eines weiteren Windrads zu genehmigen, doch Hackschnitzel liefern auch dann noch kontinuierlich Energie, wenn Windräder in der Flaute stehen und die Solarkollektoren im Dunkeln pausieren. Auf dem Feld der Energiegewinnung aus forstlicher Biomasse fehlt es in Hessen immer noch an Engagement, Energie und Kreativität.

          Nachhaltige Bewirtschaftung gewährleistet

          Der Vorschlag von Umweltverbänden wie Greenpeace, neue Nationalparks mit großen, nicht mehr bewirtschafteten Kernzonen einzurichten, geht deshalb in die falsche Richtung. Ein hessischer Buchen-Nationalpark im Kellerwald genügt. Der Rheingauer Hinterlandswald mit seinem hohen Anteil an Naturschutzgebieten, Naturwaldreservaten, Altholzinseln, FFH- und Vogelschutzgebieten ist ein Beleg dafür, dass ein moderat geschützter Wirtschaftswald der Artenvielfalt nicht nur nicht im Wege steht, sondern sie sogar fördert.

          Eine nachhaltige Bewirtschaftung dieses Waldes wäre sogar dann weiter gewährleistet, wenn einige Jahre einmal nicht mehr Holz nachwachsen würde, als jährlich geerntet wird, wie es seit Jahrzehnten der Fall ist. Dem Hinterlandswald geht es gut, und es würde ihm noch besser gehen, wenn die Jäger ihr Geschäft effizienter verrichten und den Wildbestand verringern würden. Wer aber immer mehr deutsche Wälder aus einem allzu romantischen Naturverständnis stilllegen möchte, der arbeitet gegen die Energiewende im Land. Das zu erkennen wäre ein echter Gewinn aus dem „Jahr der Wälder“.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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