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Kommentar : Eine gut überlegte Ohrfeige

  • -Aktualisiert am

Der Vorwurf des Landesrechnungshofs, sie fördere die EBS, ohne ihre Liquidität und Bonität geprüft zu haben, ist eine Ohrfeige für die Landesregierung.

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          Es war im Prinzip keine schlechte Idee, aus der privaten European Business School mit öffentlicher Unterstützung eine Universität in Wiesbaden zu machen. Anscheinend haben sowohl die betriebswirtschaftliche als auch die neue juristische Fakultät etwas zu bieten, das sich so an staatlichen Hochschulen nicht findet. Die Europäische Union, der Bund und die Länder verteilen permanent Subventionen, deren Sinn sich schlechter vermitteln lässt als die vorübergehende und klar begrenzte Unterstützung einer innovativen und ambitionierten Bildungseinrichtung. Ein Studienplatz an der EBS kostet das Land viel weniger Geld als einer an staatlichen Hochschulen. Denn die Eltern der Studenten finanzieren ihn mit, und das nicht zu knapp. Hinzu kommt ein städtebaulicher Aspekt. Die Stadt Wiesbaden verspricht sich von der Law School die Aufwertung eines Quartiers. Und die will sie sich zehn Millionen Euro kosten lassen.

          Die Opposition in Stadt und Land hat das Projekt von Anfang an aus ideologischen Gründen bekämpft. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass die EBS in so kurzer Zeit eine solche Fülle von negativen Schlagzeilen auslösen würde. Aber es ist nicht so, als würde die krisenhafte Entwicklung den Kritikern recht geben. Denn die auftretenden Schwierigkeiten sind nicht etwa auf systemimmanente Mängel zurückzuführen, die privaten Hochschulen per se anhaften würden. Sie hängen vielmehr mit handelnden Personen zusammen. So könnte sich beispielsweise der Konflikt zwischen dem entlassenen Präsidenten Christopher Jahns und der EBS genauso gut an einer staatlichen Hochschule abspielen. Wie dieses Drama ausgeht, werden die Gerichte entscheiden.

          Auch im Hinblick auf die politischen Entscheidungsträger in Wiesbaden sind vorschnelle Urteile nicht angebracht. Die Kritik des Rechnungshofs teile man „in ganz vielen Punkten“ nicht, heißt es im Wissenschaftsministerium. Festzuhalten bleibt dennoch, dass die Vorhaltungen nicht etwa aus den Reihen der Opposition oder vom Bund der Steuerzahler kommen. Wenn eine oberste Landesbehörde die Regierung in einer hochsensiblen Angelegenheit in einer solchen Schärfe kritisiert, hat das eine besondere politische Qualität. Der Vorwurf, sie fördere die EBS, ohne ihre Liquidität und Bonität geprüft zu haben, ist eine Ohrfeige für die Landesregierung. So etwas überlegt sich ein Behördenleiter gut. Sollte die Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) die Kritik nicht umfassend widerlegen, könnte ihr die EBS zum Verhängnis werden.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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