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Kommentar : Ein Votum gegen die Politik

Alt: der Rechnungshof in Frankfurt. Bild: Sonntag, Florian

Die Stimmung ist eisig, als die Entscheidung im Architekturwettbewerb für das Areal des ehemaligen Bundesrechnungshofs in der Frankfurter Innenstadt verkündet wird. Tatsächlich gibt es einige offene Fragen.

          Die Stimmung ist eisig, als die Entscheidung im Architekturwettbewerb für das Areal des ehemaligen Bundesrechnungshofs in der Frankfurter Innenstadt verkündet wird. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) macht aus seiner Ablehnung des Ergebnisses kein Hehl. Er spricht von einer „Reihung der Bauherren“. Für ihn sei der Wettbewerb schon nach der ersten Runde im Juni beendet gewesen.

          Tatsächlich ist die Reihenfolge der ersten Runde auf den Kopf gestellt worden. Der Entwurf des Büros KSP ist nach einer - durchaus gelungenen - Überarbeitung vom dritten auf den ersten Platz gestiegen, während sich der bisherige Favorit Stefan Forster nur noch auf dem zweiten Platz wiederfindet.

          Knappe Entscheidung

          Das ist per se nicht ungewöhnlich. Und doch stellen sich ein paar Fragen. KSP war erst nachträglich zur Überarbeitung nominiert worden; der Öffentlichkeit war noch im Juni der Eindruck vermittelt worden, das Büro sei aus dem Rennen. Und auch die Sitzung des Preisgerichts verlief eigenartig. Dem Vernehmen nach drehte der Wind nach drei Vierteln der Sitzung. Die Mehrheit wollte zunächst Forsters Entwurf, die Bauherren waren überstimmt, doch ein Votum gegen sie wollte man vermeiden. Dann verließ ein Preisrichter vorzeitig die Sitzung und wurde ersetzt. Die Mehrheitsverhältnisse kippten.

          Die knappe Entscheidung geriet zu einer Abstimmung gegen die Politik: Cunitz und auch die nicht stimmberechtigten Vertreter der Fraktionen und des Ortsbeirats hatten sich klar für Forsters Entwurf ausgesprochen, weil er ihnen architektonisch und städtebaulich besser gefiel. Auch sie mussten zugestehen, dass KSP einen deutlich verbesserten Entwurf vorgelegt hatte, sahen aber gerade in der besonders wichtigen Westfassade zum Willy-Brandt-Platz hin große Schwächen.

          Es soll die beste Architektur geben

          Keine Frage, Forster hat das besser gelöst. Doch die beiden Bauherren lehnen dessen steinerne, nahezu klassizistische Fassade als nicht wirtschaftlich und den Grundriss als nicht funktional ab. Ihnen kam zupass, dass sich auch die Fachbehörden, darunter der Denkmalschutz, auf die Seite von KSP gestellt haben.

          Es ist doch stark zu bezweifeln, dass der Bauherr gut beraten ist, ein Votum gegen die Stadt zu treffen. Warum macht man einen Wettbewerb? Um in einem sauberen Verfahren die beste Architektur für einen spezifischen Ort zu finden. Cunitz weckt Zweifel, dass diese Kriterien erfüllt sind.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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