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Kommentar : Ein schlechter Tag für das Rheintal

  • -Aktualisiert am

Die Grünen im Landtag von Mainz haben die Verhinderung eines Brückenschlags über den Rhein erreicht. Sie bleiben aber jede Antwort schuldig, welcher Gewinn für das Tal erwächst, wenn der Verkehr von Waren und Dienstleistungen stark behindert wird.

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          Diese Lehre aus den aktuellen Koalitionsverhandlungen in Mainz ist leider nicht neu: Die SPD ist bereit, für den Erhalt politischer Mehrheiten bedeutsame Infrastrukturvorhaben aufzugeben. Mit dieser Haltung schadet die von ihr geführte Landesregierung aber dem Land, das zu entwickeln ihre vorrangige Aufgabe ist. Der auf Verlangen der Grünen erklärte Verzicht auf die Mittelrheinbrücke nördlich der Loreley bei St. Goarshausen bedeutet mittelfristig eine ökonomische Katastrophe für das Mittelrheintal. Es genügt, die zahllosen Argumente der SPD-Landesregierung aus den vergangenen Jahren für den Brückenbau nachzulesen. Die Brücke ist essentiell für einen Landstrich, dessen Schwierigkeiten unübersehbar sind. Die Einwohner wandern ab, Arbeitsplätze verschwinden, Häuser stehen leer, die Ortsbilder verkommen. Die Erhebung zum Unesco-Welterbe ist auch eine Verpflichtung, das Tal behutsam weiterzuentwickeln - aber in die richtige Richtung.

          Das Land hat viel Geld und Mühe in das Brückenprojekt gesteckt. Rheinland-Pfalz hat sogar die Unesco davon überzeugt, das Votum des eigenen internationalen Denkmalrates in den Wind zu schlagen und die Brücke im sensiblen Rheintal grundsätzlich als genehmigungsfähig zu beurteilen. Entsprechend groß war die Freude, und entsprechend niedergeschlagen fallen in der Region nun die Reaktionen aus.

          Warenverkehr und Dienstleistungen stark behindert

          Die Grünen im Landtag haben damit erreicht, was den Grünen im Kreistag von Mainz-Bingen schon vor Jahren gelungen ist: die Verhinderung eines Brückenschlags über den Rhein durch eine Koalitionsbildung mit der SPD. Auf rund 90 Kilometern Rheinlauf zwischen Wiesbaden-Schierstein und Koblenz wird es weiterhin keine feste Querung geben.

          Die Grünen bleiben jede Antwort schuldig, welcher Gewinn für das Tal erwächst, wenn der Verkehr von Waren und Dienstleistungen stark behindert wird. Und die SPD hält es bislang noch nicht für nötig, für ihr Zurückweichen eine ordentliche Begründung zu geben. Doch die ist sie den Bürgern im Rheintal schuldig. Dort weiß man, dass der Fährverkehr eine Brücke nicht ersetzen kann. Flüsse trennen, Brücken verbinden. So einfach ist das.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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