https://www.faz.net/-gzg-8xise

Kommentar : Ein Keim mit Folgen

  • -Aktualisiert am

Hartnäckig: gefährliche Klebsiella-Keime, auf eine Petrischale kultiviert Bild: dapd

Es ist eine gute Entscheidung, die Intensivstation der Frankfurter Universitätsklinik noch nicht zu belegen, sondern abermals zu reinigen und zu untersuchen.

          Was Fachleute schon lange befürchtet haben, ist eingetreten: An der Frankfurter Universitätsklinik ist eine Art des Darmbakteriums Klebsiella pneumoniae aufgetreten, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Das Bakterium hat sich ausbreiten können, obwohl nach Angaben der Experten in der Klinik alle Hygieneregeln eingehalten und keine groben Fehler gemacht wurden. Daraus schließen sie, dass der Keim mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln nicht beseitigt werden kann. Schon bei früheren Ausbrüchen in anderen Städten hat sich gezeigt, dass Klebsiella pneumoniae ausgesprochen hartnäckig ist und immer wieder auftreten kann.

          Angesichts dessen ist es eine gute Entscheidung, die Intensivstation noch nicht zu belegen, sondern abermals zu reinigen und zu untersuchen. 17 Intensivbetten leer stehen zu lassen dürfte dem verschuldeten Maximalversorger dabei keinesfalls leichtfallen. Denn die Plätze sind im Rhein-Main-Gebiet überaus gefragt, oft genug kommt es zu Engpässen.

          Tragweite der Angelegenheit unterschätzt

          Beunruhigend ist aber nicht nur, dass der Keim nur schwer zu beseitigen ist, sondern auch, dass man ihn sich offenbar in einem Bach bei Frankfurt einfangen kann. Diesmal steht nicht wie beim Ehec-Ausbruch 2011 der Erlenbach im Verdacht, sondern der Eschbach. Allerdings hatte sich damals die Annahme, die Erreger könnte aus einer Kläranlage in das Gewässer und dann in den Lebensmittelkreislauf gelangt sein, als Fehleinschätzung erwiesen. Ob sich der Verdacht diesmal bestätigt, bleibt abzuwarten. Allerdings wird zu Recht immer wieder davor gewarnt, Arzneimittelreste in der Toilette zu entsorgen, weil durch die Wirkstoffe, die sich in der Kläranlage kaum entfernen lassen, Resistenzen in der Natur befördert werden.

          Ob man von der suboptimalen Öffentlichkeitsarbeit der Uniklinik beunruhigt sein muss, ist dagegen fraglich. Gehandelt haben die Mitarbeiter, die bundesweit als Experten für multiresistente Keime und Hygiene gelten, wohl unverzüglich und korrekt. Aus anderen Kliniken in der Region ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, man sei froh, dass der Erreger nicht dort aufgetreten sei. Die späte und unvollständige Information der Öffentlichkeit sollte laut Uniklinikchef Jürgen Graf Patienten schützen und Hysterie vermeiden. Damit hat er sicher auch versucht, den wirtschaftlichen Schaden für sein Haus zu begrenzen. Die Tragweite der Angelegenheit hat er dabei wohl unterschätzt. Die flapsige Bemerkung über zuweisende Kliniken, die von einer gewissen Arroganz der Universitätsmedizin zeugt, hätte er sich jedoch besser verkniffen.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Epochale Zerstörung“

          Waldsterben : „Epochale Zerstörung“

          Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich weltweit für den Naturschutz ein. Die Waldbrände in Südamerika sorgen für Entsetzen. Aber auch in Deutschland ist die Lage ernst.

          Topmeldungen

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch neue Ideen legte er in Luxemburg wieder nicht vor. Sein Gespräch mit EU-Kommissionschef Juncker blieb ohne Durchbruch.
          Haus an Haus: Bisweilen liegen Wunsch und Wirklichkeit zumindest räumlich sehr nah.

          Hohe Immobilienpreise : Vom Traumhaus zur Realität

          Die Suche nach Immobilien bringt immer mehr Stress mit sich. Doch vom freistehenden Einfamilienhaus träumen die meisten Deutschen. Und ein Eigenheim hat viele Vorteile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.