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Kommentar : Ein fast alberner Streit

Frankfurt und Sulzbach streiten um die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums. Diese stetigen Reibereien zwischen Kernstadt und Region, welche Seite sie auch immer schürt, sind albern.

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          Die Kasseler Richter machen es möglich: Der Nachbarschaftsstreit zwischen Frankfurt und dem Main-Taunus-Kreis über die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums wird ins dritte Jahr gehen. Ende 2005 hatte die Betreiberin des Einkaufszentrums zum ersten Mal verlauten lassen, sie wolle das Zentrum um 12.000 Quadratmeter auf rund 90.000 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitern. Das entspricht der Größe des Nordwestzentrums. Das gerade als „My Zeil“ deklarierte neue Einkaufszentrum in der Frankfurter Innenstadt wird 47 000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, also halb so groß werden wie das in Sulzbach.

          Seit dieser Ankündigung vor fast drei Jahren streiten Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis über die zusätzlichen 12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Anfangs in Wortscharmützeln, später auch vor Gericht. Die Frankfurter argumentieren seit Anbeginn, es gehe weniger um die geplante Erweiterung als vielmehr um das Vorgehen des Kreises. Der habe weder die Nachbarkommunen noch den dortigen Einzelhandel angehört.

          Die Verärgerung der Stadt Frankfurt ist verständlich. Ein ordentliches Bebauungsplanverfahren mit Anhörung und Beteiligung hätte sicher schon seinerzeit die Gemüter erheblich besänftigt. Zumal auch Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) und der Planungsverband zu diesem offeneren, transparenteren Verfahren geraten hatten. Mittlerweile ist ja auch Berthold Gall (CDU), Landrat des Main-Taunus-Kreises, dazu bereit.

          Die Frage, ob eine Erweiterung des Main-Taunus-Zentrum sinnvoll und für den Raum verträglich sei oder ob dadurch Städte und Gemeinden in ihrer Entwicklung benachteiligt würden, ist so jedoch kaum zu klären. Die Entscheidung über den Ausbau ist politischer Natur. Da das Main-Taunus-Zentrum, das 1964 als erstes Einkaufszentrum auf der Wiese entstand, im gesamten Vordertaunus und in den westlichen Stadtteilen Frankfurts äußerst beliebt ist und in der Weihnachtszeit mitunter den Verkehr sogar auf der angrenzenden Autobahn 66 zum Erliegen bringt, haben die Verbraucher die Frage längst beantwortet: Sie schätzen dieses fast schon traditionelle Einkaufsangebot vor den Toren der Stadt.

          Dass die Nachbarkommunen dennoch fair und offen miteinander umgehen sollten, dass diese stetigen Reibereien zwischen Kernstadt und Region, von welcher Seite sie auch immer geschürt werden, albern sind, das sollte allerdings auch endlich Allgemeingut sein.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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