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Kommentar : Ein Experiment

  • -Aktualisiert am

Ein hauptamtlicher Erster Stadtrat für Oestrich-Winkel? Das wird nicht nur für Schlagzeilen sorgen, sondern auch für viele Vermutungen und Fragen. Etwa: Warum braucht Oestrich-Winkel einen zweiten Hauptamtlichen im Rathaus?

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          Ein hauptamtlicher Erster Stadtrat für Oestrich-Winkel? Das wird nicht nur für Schlagzeilen sorgen, sondern auch für viele Vermutungen. Wird Michael Heil langfristig als Nachfolger von Bürgermeister Paul Weimann (CDU) aufgebaut? Will Weimann in seiner dritten – vielleicht letzten – Amtszeit die Kärrnerarbeit einem neuen Hoffnungsträger aufladen? Gibt es Querelen oder gar Skandale in Eltville, die Heil aus der Nachbarstadt flüchten lassen? Soll Heil dafür belohnt werden, dass er Patrick Kunkel in Eltville den Vortritt ließ? Warum traut sich Heil nicht in irgendeiner anderen hessischen Kommune das Bürgermeisteramt zu? Und warum braucht Oestrich-Winkel einen zweiten Hauptamtlichen im Rathaus, obwohl dieses Modell längst aus der Mode gekommen scheint und sich derzeit keine der 17 kreisangehörigen Kommunen mehr einen hauptamtlichen Bürgermeister-Stellvertreter leistet?

          Bürgermeister Weimann hat genügend Widersacher, die diese Fragen und Vermutungen nun genüsslich in der Öffentlichkeit diskutieren werden. Es zeichnet Weimann allerdings aus, dass er die politische Auseinandersetzung über vermeintlich unpopuläre Entscheidungen nicht scheut, wenn nach seiner Überzeugung am Ende für die Stadt sinnvolle Ergebnisse stehen. Es lohnt also, die Vorschläge Weimanns einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Sie rühren ohne Zweifel auch aus der persönlichen Erfahrung eines CDU-Mannes, der Schwierigkeiten hatte, eine Verwaltung von seinen Vorstellungen zu überzeugen, die zuvor ein Vierteljahrhundert von sozialdemokratischen Bürgermeistern geführt – und personell besetzt – worden war. Das erklärt den Wunsch, Erbhöfe im Rathaus zu zerschlagen, Verwaltungsburgen zu schleifen und einen direkteren Zugriff auf die Fachabteilungen zu erhalten.

          Ob die Abschaffung einer zweiten Führungsebene und damit der Verzicht auf die Spitzenbeamten im Rathaus der richtige Weg zu höherer Effizienz einer Stadtverwaltung ist, muss sich erst noch weisen. Ob der zweifellos tüchtige und ehrgeizige Heil der richtige Mann ist, um moderne und neue Managementsysteme zu etablieren, muss er erst unter Beweis stellen. Richtig ist, dass der Umbau der öffentlichen Verwaltung nötiger denn je ist, um mit veränderten Strukturen veränderten Ansprüchen zu genügen. Das Umkrempeln im Rathaus wird Weimann zufolge damit aber erst beginnen. Das klingt nach einem mutigen Experiment, das zu beobachten sich lohnt.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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