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Kommentar : Ein Coup

Das sind einmal gute Nachrichten aus der Frankfurter Kultur: das Museum für Moderne Kunst wird im Taunusturm eine Dependance beziehen.

          Das sind einmal gute Nachrichten aus der Frankfurter Kultur, von der in letzter Zeit vor allem im Zusammenhang mit Sparnotwendigkeiten die Rede war. Und selbst jene können sich darüber freuen, für die alles Künstlerische in erster Linie ein unliebsamer Kostenfaktor ist, der den Stadtsäckel belastet. Denn der öffentlichen Hand entstehen keine Kosten, wenn das Museum für Moderne Kunst im Taunusturm, den Tishman Speyer derzeit im Bankenviertel errichtet, nächstes Jahr eine Dependance bezieht.

          Der Coup ist von langer Hand vorbereitet, und auch wenn die Kunst im Hochhaus gewiss einen Standortvorteil und einen Ansehensgewinn mit sich bringt, so ist es doch im Wesentlichen Jerry Speyers künstlerischem Interesse zu verdanken, dass diese Zusammenarbeit der in Deutschland immer noch besonderen Art zustande gekommen ist. Er ist Sammler und dem Zeitgenössischen zugetan. Und hat die Gelegenheit ergriffen, sich nicht irgendein Museum ins Haus zu holen, sondern eine der renommiertesten Institutionen weltweit auf dem Gebiet der Moderne.

          Deren Direktorin Susanne Gaensheimer gehört nicht zu den Lauten, die ständig klappern müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen, sondern zu den Beharrlichen, die mit sanftem Druck ihre Ziele erreichen. Ihre unaufdringliche Hartnäckigkeit hat ihr neue Räume beschert, obwohl daran keiner ernsthaft zu denken wagte. So ist es auch eine ziemliche Überraschung, was nun der Öffentlichkeit verkündet wurde. Das Museum für Moderne Kunst ist alleinverantwortlich für die Inhalte auch in seinem künftigen Ableger. Was man hervorheben muss, da eine private Finanzierung oft den Verdacht schürt, hier verfolge jemand eigene kuratorische Interessen. Aber längst haben auch die Unternehmen erkannt: Nach dem Ende religiöser Verbindlichkeiten ist eine freie Kunst für viele das einzige Feld, auf dem grundlegende Fragen des Menschseins verhandelt werden. Dies zu fördern wird als gesellschaftliche Verpflichtung begriffen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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