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Kommentar : Ein alter Bekannter

  • -Aktualisiert am

Hans-Jürgen Irmer ist zurück an seinem angestammten Posten. Seine Wiedereinsetzung als schulpolitischer Sprecher ist ein Signal, dass Schulpolitik trotz des angestrebten „Schulfriedens“ nicht zu friedlich werden soll.

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          Im Wetzlarer Land, in Limburg, rund um Fulda, im Westerwald oder im Vogelsberg muss die Verstörung unter den CDU-Wählern noch immer groß sein: Die eigene Partei hat sich mit denen zusammengetan, von denen man innerlich doch so weit entfernt war wie die „Wildecker Herzbuben“ von „Tijuana Bullfight“. Da wärmt es das konservative Herz, wenn ein alter Bekannter wieder die Bretter betritt, der weiß, wie man einem Publikum einheizt. Hans-Jürgen Irmer, einer der wenigen Landtagsabgeordneten, die man kennt und wahrnimmt, ist wieder zurück an seinem angestammten Posten, dem des schulpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion.

          Hans-Jürgen Irmer ist das, was die Marketingmenschen „eine Marke“ nennen würden, er ist unverwechselbar. Immer mal wieder polemisiert er gegen Homosexuelle und den Islam. Er schoss Fotos vom früheren grünen Justizminister Rupert von Plottnitz und sagte auf die Frage, was er da mache: „Fahndungsfotos“. Er gibt, weil ihm die heimische Zeitung zu links war, eine eigene heraus, den „Wetzlar Kurier“.

          „Schulfriedens“ nicht gar zu friedlich

          Der amüsiert immer gern mit Schlagzeilen, wie sie in der DDR-Presse üblich waren: „Kontinuität und Verjüngung ist wichtiges Signal der CDU-Stadtverordnetenfraktion Wetzlar“. Manchmal ist Irmer aber auch weniger amüsant. Als er nach der Ernennung Aygül Özkans zur niedersächsischen Sozialministerin sagte: „Wir brauchen nicht mehr Muslime, sondern weniger“, musste er sich entschuldigen.

          Nun also hat ihn seine Fraktion wiedergewählt, und das sicherlich nicht gegen den Willen des Ministerpräsidenten und nicht nur deshalb, weil Irmers Nachfolger in der Schulpolitik niemandem in Erinnerung blieb. Nein, der fleißige Mann soll den rechten Rand der Partei stärken und den Glauben an den alten Markenkern einer konservativen Volkspartei reaktivieren. Zugleich ist seine Wiedereinsetzung ein Signal an Grüne und SPD, dass Schulpolitik trotz des angestrebten „Schulfriedens“ nicht gar zu friedlich werden soll.

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