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Kommentar : Ein Akt der Hilflosigkeit in Bornheim

  • -Aktualisiert am

Feuerwehrmann: Rückkehrer Tomas Oral soll die schwarz-blauen Bornheimer retten Bild: dpa

Von einem Scherbenhaufen zu sprechen, wäre zu früh. Aber das Fundament beim FSV Frankfurt hat vor dem Showdown in Düsseldorf schwere Risse bekommen. Der Zusammenbruch droht.

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          Noch ist es kein Scherbenhaufen beim FSV Frankfurt. Aber viel fehlt nicht mehr, und die Bornheimer stehen vor den Trümmern ihrer Arbeit. Im Rekordtempo hätten sie dann eingerissen, was sie in mühevoller Arbeit in den vergangenen sieben Jahren in der Zweiten Fußball-Bundesliga aufgebaut haben. Eingeleitet haben den Selbstzerstörungsprozess die Spieler. Elf Spiele ohne Sieg ließen die Frankfurter auf den Relegationsplatz 16 stürzen. Vor dem letzten Spiel in Düsseldorf trennt den FSV nun nur noch ein Punkt vor dem direkten Abstieg in die dritte Liga. Der große Leistungsabfall ist eine sportliche Bankrotterklärung der Mannschaft. Trotz gegenteiliger Beteuerungen aus ihren Reihen ist sie offenbar nicht intakt.

          Trainer Benno Möhlmann, der dem Gefüge Halt hätte geben müssen, ist der Zugriff auf sein Team entglitten. Das zeichnete sich ab. Trotzdem hielt die Geschäftsführung an ihm fest. Sie klammerte sich an Möhlmann in der Hoffnung, dass er doch noch etwas bewirken kann. Ihn nun ausgerechnet vor dem finalen Durchgang zu entlassen und durch Tomas Oral zu ersetzen, ist ein Akt der Hilflosigkeit.

          Vor dem Totalschaden

          Jetzt ist Panik das bestimmende Gefühl bei den Oberen. Die Verantwortlichen glauben wohl, mit einem Schlag das Versäumte nachholen zu können. Das könnte sich aber als Trugschluss erweisen, sofern auch Oral nichts auszurichten vermag. Und das steht zu befürchten. Das große Versäumnis im Fall des Abstiegs müsste sich die Chefetage ankreiden lassen. Der FSV hätte sich früher von Möhlmann trennen müssen, um mehr Zeit für die Kurskorrektur zu haben. Jetzt aber steht der FSV dicht vor dem Totalschaden.

          Bis zum Einbruch der Mannschaft im Saisonendspurt hatte Uwe Stöver knapp sechs Jahre lang viel richtig gemacht. Der Geschäftsführer Sport war ein wichtiger Stützpfeiler im Verein. Seine Fehleinschätzung im Hinblick auf die Entwicklung der vergangenen Wochen nun dazu zu nutzen, ihn ebenfalls rauszuwerfen, wirft ein schlechtes Licht auf das Präsidium. Das Gremium entzog Stöver das Vertrauen. Und das, obwohl ihm vor einigen Wochen noch ein neuer Dreijahresvertrag angeboten wurde. Kontinuität war jahrelang das Markenzeichen des FSV. Im Fall von Stöver wäre sie auch weiter angebracht gewesen, weil er mit seiner Seriosität und seiner Bereitschaft, sich den schwierigen finanziellen Bedingungen in Frankfurt anzupassen, gut zum Traditionsverein passte. Das Fundament beim FSV hat vor dem Showdown in Düsseldorf schwere Risse bekommen. Der Zusammenbruch droht.

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